sich nicht sehen lassen kann/ Der Königssohn wollte sie aber doch sehen; Aschenbrödel wusch sich fein und rein und trat ein, auch in ihrem aschgrauen Kittelchen durch ihre Schönheit die Schwestern überstrahlend. Und wie eS den goldnen Schuh anzog, so paßte er prächtig, wie angegossen. Und der Königssohn erkannte sie nun auch gleich wieder und rief: .Das ist meine holde Tänzerin, meine liebe Braut!* nahm sie, führte sie aus's Schloß und befahl ein stattliches Hochzeitsfest zuzurüsten.
Beim Kirchgang hatte Aschenbrödel ein ganz goldneS Kleid an und ein goldnes Krönlein auf dem Kopfe; ihre Schwestern gingen ihr voll Neid zur Rechten und zur Linken. Da kam das Vöglein vom Haselbäumchen und pickte jeder in's Auge, daß dies erblindete. Als nun die Braut aus der Kirche ging, kam wieder das Vöglein und Pickte wieder jeder das andere Auge aus, und so waren sie für ihren Neid und ihre Bosheit mit Blindheit geschlagen ihr lebenlang.
Der Wachholderbaum.
ES ist nun schon lange her — wohl zweitausend Jahre — da war einmal ein reicher Mann, der hatte eine schöne fromme Frau, und die hatten sich beide recht lieb; sie hatten keine Kinder, wünschten sich aber gar sehr welche, und die Frau betete oft darum Tag und Nacht, aber sie kriegten keine und kriegten keine. Vor ihrem Hause war ein Hof, auf dem stand ein Wachholderbaum; unter diesem stand eines Tages im Winter die Frau und schälte sich einen Apfel, und als sie sich den Apfel so schälte, so schnitt sie sich in den Finger, und das Blut floß in den Schnee.
Bechstein'» Märchen. 13

