Das Käferlein schämte sich seiner Schwäche, es erhob sich von der Erd­scholle, auf die es gesunken war und athmete niit starken Zügen die kräftige Luft ein, die iiber die Wiese strich.

Ich muß nun fort, was nützt mein längeres Zaudern," sagte der Käfer halblaut; er grüßte dann freundlich die liebliche Blume, die ihm Muth zu­gesprochen und suchte den schmalen Steg auf, der zwischen den Gräsermassen sich schlängelnd dahinzog.

Bald hatte sich sein Auge an das Licht der Sonne gewöhnt und er bemerkte mit Befriedigung, daß sein Körper durch die Bewegung kräftiger, die Beinchen stärker und elastischer wurden.

Es geht schon," summte er vergnügt vor sich hin,ich muß nur einen tüchtigen Stock mir suchen, denn die Eltern sagten, daß es gar böse Ge­schöpfe hier oben gäbe, vor denen ich mich in Acht zu nehmen habe."

Das Käferlein blickte um sich, und bald war ein dürrer Grasstengel gefunden, den das Thierchen triumphirend schwang.

Mit dem Fliegen wird's wohl noch einige Zeit schlecht gehen," sprach der Käfer für sich,ich muß mir schon auf den Beinen weiter helfen, ob- schon das Gehen recht müde macht."

Wohin gehst du denn, Maiküferlein?" sagte da ein feines Sümmchen, das dem Gänseblümchen angehörte.

Ich will in die weite Welt, ich möchte sie kennen lernen."

Ich bedaure dich," sagte die Blume,die Welt ist gar böse, du solltest umkehren und in dein Erdloch zurückgehen."

Der Käfer dachte,ich finde es gar nicht so übel auf der Erde, die Sonne sieht so freundlich herab, die Wiese schmückt sich mit Blumen und die Bäume zeigen so herrliche Blüthen, was sollte man da zu fürchten haben; zudem will ich mich schon zu schützen wissen, ich habe vor weit stärkeren Gesellen keine Angst."

Da quakte ein Frosch in der Nähe, die Blume erzitterte, das Käfer­lein erblaßte und duckte sich rasch unter ein welkes Blatt.

Nun erblickte der Käfer den Frosch, der mit mächtigem Satze über den schmalen Wiesensteg sprang und zwischen den Gräsern eilends verschwand.

Welch Ungethüm!" sprach das Käferlein,dem hätte mein Stock wohl wenig angethan!"