„Nun sei nur ruhig, gutes Liefet, du sollst schon eine andere dafür bekommen." —
Aber immer trauriger wurde das arme Thier, kein Futter wollte ihm mehr schmecken, so frisch und saftig es auch war, ruhig lag es im Grase und brüllte nur zuweilen kläglich und am Ende wollte es gar nicht mehr aus dem Stalle heraus gehen. —
Toni und die Großmutter waren ganz unglücklich über die Krankheit ihrer Liese, man gab ihr Thee und holte die kluge Frau aus dem Dorfe, aber Nichts half, auch deren Rath nicht einmal, wußte ja doch Niemand, daß die arme Kuh aus Sehnsucht nach ihrer Verlornen Freundin so unsäglich litt und dafür half freilich weder Thee noch Arznei. — Von Tage zu Tage ward das Thier trauriger und elender, und Niemand wußte mehr zu rathen und zu helfen. —
Eines Abends war es endlich so schlimm mit der armen Kuh geworden, daß die Großmutter und Toni glaubten, sie werde die Nacht nicht mehr überleben. — Traurig saß die alte Frau im Stalle neben ihrem einzigen Besitzthum und weinend verbarg Toni das Gesicht am Halse seiner Liese. — Das Thier athmete kaum hörbar und schlug nur zuweilen das matte Auge auf, um seine Herren anzublicken, endlich athmete es noch einmal schwer und dann war es ganz still. — Das tiefe Schweigen in dem kleinen Stalle wurde nur durch Toni's Schluchzen unterbrochen, der, den Arm um seinen Liebling geschlungen, nicht von ihm wich. Auch die alte Großmutter weinte still vor sich hin und hatte keinen Trost für den Knaben; sie liebte das gute Thier so herzinnig und was sollte außerdem nun aus ihrem kleinen Haushalte werden, wenn sie diesen ihren einzigen Schatz verlieren würden? — Horch! — Da knarrte leise die Thüre des Stalles und ein blühendes Gcsichtchen schaute herein. —
„Ist's erlaubt?" — fragte eine freundliche Stimme. —
„Ach Bärbel!" — rief Toni dem kleinen Mädchen schluchzend entgegen, — „unsere Liese stirbt ja!" —
„Eure Liese?" — sagte die Kleine und trat erschrocken näher, — „und ich konime so eben, die Verlorne Glocke ihr wieder
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