Mätzchen.

Mit Bild.

Bei uns zu Lande sagt man, die liebe Sonne sei eine Frau, und so unrecht hat man damit eigentlich nicht, denn eitel genug ist sie dazu, beschaut und bespiegelt sie sich doch ohne Aufhören in Allem, was nur irgend ein Bischen Glanz und Politur hat, von den blanken Knöpfen auf dem Soldatenrocke an, bis hinauf zu dem messingnen Thurmknopfe, vom winzigen Thautropfen im Kelche der Blumenglocken, bis zum endlosen Spiegel des Weltmeers. Ueberall bewundert sie ihr blendend schönes Angesicht, gerade wie ein reizendes Mädchen, das vor keinem Spiegel vorüber gehen kann, ohne selbstgefällig ein flüchtiges Blickchen hinein zu werfen.

Es war ein herrlicher Sommertag und das liebliche Gesicht der Frau Sonne lachte so recht aus Herzensgründe, indem es von keiner Wolke verdunkelt wurde, und sich von früh an in Millionen strahlender Dinge betrachten konnte. Auch in den blanken Fen­sterscheiben eines hübschen Wohnhauses blitzten und funfclten ihre Strahlen, noch mehr aber in dem goldig glänzenden Messing eines prächtigen Vogelbauers, der von einem allerliebsten kleinen Kana­rienvogel bewohnt wurde. Behaglich breitete dieser sein gelbes Gefieder den warmen Strahlen entgegen, und schmetterte sein Lob­lied aus voller Kehle, als eifriger Verehrer der schönen Frau Sonne. Lange aber duldete es den kleinen Messingbewohner jetzt nicht mehr in seinem Bauer, das Thürchen desielben stand offen, und husch! schlüpfte er eilfertig aus dem engen Behälter hinaus in das geräumige Wohnzimmer, und zwar gerade auf den