Schuhe und Stiesel.
In großen Städten, wo so viele Menschen beisammen wohnen, wie Ameisen in ihren Löchern, hat man oft große Noth, ein Plätzchen zu finden, an dem man sich mit seinem Hab und Gut niederlaffen und seine Wohnung aufschlagen kann. Diesem Uebel abzuhelfen, hat man die Häuser bis hoch in die Wolken hinauf gebaut, und auch nach unten strecken sie ihre Arme, gerade wie ein Baum seine Zweige über und unter die Erde. — Was man nun an Luft und Licht in den himmelhohen Behausungen zu viel hat, das hat man da unten in den Kellerwohnungen, welche in die Erde hineingegraben sind, freilich zu wenig, aber danach darf ein armer Mensch nicht viel fragen, hat er doch für wenig Geld einen Aufenthalt, der ihn gegen Frost und Regenwetter schützt; Himmel und Bäume sieht er, wenn er auf seine Arbeit hinaus geht, und da er mit den Sonnenstrahlen seinen hungrigen Magen nicht satt machen kann, so entbehrt er sie leichter als Essen und Trinken.
In einer solchen Kellerwohnung nun war es, wo ein armer Schuhmacher lebte. Seine Arbeit fesselte ihn den ganzen Tag an diese kleine Heimath, so daß zuweilen Wochen vergingen, ohne daß er den blauen Himmel zusehen bekam; desto mehr aber freute er sich dann, wenn er Pechdraht und Schurzfell bei Seite werfen und hinaus ziehen konnte in die liebe Gotteswelt. —
Da unten in der kleinen Kellerwohnung unsers Schusters war es ganz behaglich, denn die fleißige Hausfrau hielt Alles in

