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Lieblings zu zweifeln. — Siehe da rauschte es in den nächsten Zweigen, und schon jubelte der Rosenstrauch in der Hoffnung, die Ersehnte zu sehen, doch gesenkten Hauptes schritt an ihrer Stelle der Vater daher, einsam und in trübes Sinnen verloren. Zögernd blieb er bei den Rosen stehen, neigte sich tief aufseufzend über sie und indem er einige frisch erblüthe Knospen pflückte, fielen schwere Thränen in deren Schooß. Langsam schritt er weiter und die Trauer, die aus seinen Zügen sprach, verkündete nur zu sehr, daß er in Sorge um sein geliebtes Kind sei. —
Die Klagen des Rosenstrauches waren nun endlos, und wahrlich, jetzt hatte er auch allen Grund zur tiefsten Trauer, denn eine schwere, hoffnungslose Krankheit, welche langsam aber desto sichrer die Lebenskräfte aufzehrt, hatte das schöne Mädchen auf das Lager geworfen.
Trostlos irrte der jammernde Vater umher, der seine Lebens- blume dahin welken sah, gleich allen Blüthen des Gartens, —sie wurde verweht von der furchtbaren Krankheit wie die Blumen und Blätter vom herbstlichen Winde. —
Auch unser armer Rosenstrauch theilte jetzt bald das Geschick aller andern Blumen und Bäume, denn der Herbst kam und die Blüthen welkten, — Eine nach der Andern. — Traurig stand er zur Seite des dunkeln Lebensbaumes, und war mürrisch wie ein verzognes Kind, dem man sein Spielzeug genommen hat. —
„Ach, wie ist es doch so langweilig in der Welt!" rief er seufzend, „kein Vergnügen gibt es jetzt mehr für mich! — Ich bin jetzt wahrhaftig fast eben so kahl, als Du, alter Lebensbaum! — Wie glücklich bist Du doch, daß Du nicht weißt wie es thut, schön gewesen zu sein und nun eine Blüthe nach der andern fallen zu sehen!" —
„Armes Kind," sprach traurig sein Gefährte, „wie sehr wirst Du noch zu leiden haben, wenn Dir der Winter erst all Deine Blätter raubt und Du alles Reizes entkleidet dastehen wirst!" — „O so schweige doch, Du garstiger Geselle!" rief entrüstet die Rose, „das wird hoffentlich nie geschehen, denn das wäre ja zu furchtbar, lieber wollte ich ja gleich ein Lebensbaum sein, das Schlimmste, was ich mir denken kann!" —

