203
Schmutz überzogen und die feine Gestalt formlos und schlaff geworden. —
„Ach lieber Himmel!" seufzten sie, als sie sich jetzt anblickten, „wie sehen wir aus! — Ein Trost ist es noch, daß wir Beide zusammen alt und häßlich geworden sind, da hat doch Keins dem Andern Etwas vorzuwerfen!"
Dieser Trost half ihnen auch über den nächsten Kummer fort, als das blasse Mädchen sie fest zusammen drückte und eine Menge Wolle dicht und fest über sie hinweg band, so daß sie rund wie eine Kugel wurden und dem kleinen Knaben als Ball dienten. — Jetzt flogen sie hinauf zur Decke und dann wieder auf den Fußboden herunter, zehn, hundert, ja wohl tausend Male, sie stießen und drückten sich, daß es krachte und immer machten sie wieder dieselbe unangenehme Reise. —
„Man könnte uns doch auf unsre alten Tage Ruhe gönnen!" seufzten die armen Dinger, aber daran dachte der kleine Bube nicht eher, bis die Umhüllung zerriß und die Handschuhe in ihrer ersten Gestalt wieder zum Vorscheine kamen. — Da warf er sie in eine Ecke, wo sie liegen blieben, bis sie eines Tages dem Haderlump in seinen Sack geworfen wurden. —
In welche Gesellschaft geriethen sie aber da! — Hier war Nichts als verblichner Glanz, zerrißne Pracht und vergangne Schönheit bei einander und Jedes von ihnen wußte von seinem ftüheren Glücke zu erzählen.
„Ich war einst ein schönes Ballkleid und glänzte wie Gold unter dem Kronleuchter!" rief ein alter zerfetzter Lappen und brüstete sich krachend.
„Und ich bedeckte einen weichen Sopha, auf dem nur Grafen und Barone saßen!" — sprach ein andrer. „Ich habe eine Braut an ihrem Hochzeittage geschmückt!" rief ein weißes Stück Zeug, „und ich den Kopf einer schönen Prinzessin!" ein rothes und so ging es fort. —
„O wir sind auch in guten Verhältnissen gewesen!" sagten die Handschuhe stolz, „einst waren wir die schönsten im Ballsaale und wurden auf Händen getragen! — Ja man kann doch nicht immer jung und schön sein! — Aber wo kommen wir jetzt hin?" —

