Avifauna von Hessen

brütend beobachtet. Die Ansiedlung von mehreren Paaren scheint durch Fütte­rungen begünstigt, wie z.B. wiederum am Schwanenteich in Gießen, wo 1976 drei Schwanennester auf einer nur wenige Quadratmeter großen Insel gebaut wurden (Burkhardt mündl.). In einem Fall läßt sich bei zehn an der Mainmündung brütenden Paaren sogar von Koloniebildung sprechen (1980, Mallach briefl.). Auch hier wurden die Tiere gefüttert.

Im Winter finden sich Höckerschwäne zum einen auf eisfreien Flüssen und Teichen außerhalb menschlicher Siedlungen, zum anderen auch auf Parkteichen und Flüssen im Innenstadtbereich (z.B. Lahn in Marburg und Gießen, HGON-AK Marburg-Biedenkopf 1992, [9: 1992, 1993]) ein. Die Fütterung spielt offensicht­lich auch für in Hessen überwinternde Schwäne eine wichtige Rolle.

Verbreitung

Derzeit ist der Höckerschwan in ganz Deutschland verbreitet, am häufigsten brütet er jedoch im Nordosten (Rheinwald 1993).

Sein Gesamtbrutareal umfaßt Irland, Großbritannien, das nordöstliche mittel­europäische Festland und kleinere Gebiete in Asien, wobei sich nicht klären läßt, ob die hiesigen Vögel von ursprünglich freilebenden Populationen oder von Parkvögeln abstammen (Bezzel 1985, Rutschke 1992, Bauer & Glutz von Blotzheim, Bd. 2, 1968). Madge & Burn (1989) schreiben:Wirklich wilde Höckerschwäne (Asien) sind wachsam und geradezu unnahbar. Demnach gibt es heute in Mitteleuropa keinewirklich wilden Tiere. Hinweise auf wildlebende Schwäne in frühgeschichtlicher Zeit gibt es in Schleswig-Holstein (Berndt & Busche 1991) und Niedersachsen (Goethe, Heckenroth & Schumann 1985).

Auch Gebhardt & Sunkel (1954) vermuten, daß in Hessen sämtliche Brutvögel von Parkvögeln abstammen, die z.B. in Ziegenhain (Schwalm-Eder-Kreis) schon im 16. Jahrhundert gehalten wurden (nach Landau 1849). Sie beschreiben noch keinerlei freifliegende Brutvögel, sondern erwähnen, daß die Vögelaußerhalb der Brutzeit an allen größeren Gewässern immer wieder einmal auftreten. Wobei auch diese Tiere durch Beringung z.T. als Parkvögel erkennbar waren. Erst seit den sechziger Jahren ist der Höckerschwan regelmäßiger Brutvogel in Hessen (s. Bestand).

Hier brütet er vornehmlich in den Flußtälem. Besonders Eder, Lahn, Main und Rhein samt ihren anschließenden, ausreichend großen Baggerteichen sind derzeit besiedelt. Je nach Gewässerangebot sind auch in den Mittelgebirgen über 400 m Schwanenbruten zu beobachten, z.B. Habichtswald, Vogelsberg und Odenwald.

Außerhalb der Brutzeit halten sich die Höckerschwäne hauptsächlich auf den großen, nicht zufrierenden Flüssen auf. Rhein und Main werden bevorzugt. Nach Tabelle 1 weist Zählstelle 21 die höchsten Zahlen auf, es muß aber berücksichtigt werden, daß die Zählungen an Abschnitten von insgesamt ca. 90 Kilometer Länge

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