Avifauna von Hessen
7. 1.2.2
Kurzschnabelgans
Anser brachyrhynchus Baillon 1833
Status und Häufigkeit
Ausnahmeerscheinung
Vorkommen in Hessen
Die Kurzschnabelgans brütet auf Grönland, Island und Spitzbergen. Die grönländisch-isländische Population überwintert in Irland und Groß-Britannien, die Population Spitzbergens an der Nordseeküste von Dänemark bis zu den Niederlanden (Bezzel 1985). Äußerst selten erscheinen die Tiere auch im Landesinneren. Vorkommen außerhalb des Meeres- und Küstenbereiches sollten der Deutschen Seltenheitenkommission gemeldet werden (Bundesdeutscher Seltenheitenausschuss 1990).
Große Schwierigkeiten bereitet die Bestimmung der Kurzschnabelgans. Die Art ist leicht mit juvenilen Bläßgänsen {Anser albifrons ) und der Tundrasaatgans {Anser fabalis rossicus) zu verwechseln. Da in Hessen hauptsächlich Anser fabalis rossicus vorkommt (s. Kapitel Saatgans), sind Fehlbestimmungen vorprogrammiert. So ist sich z.B. Berck (mündl.) nicht mehr sicher, daß es sich bei den von ihm und Ringleben 1971 beobachteten 34 Gänsen (Berck & Ringleben 1971) tatsächlich um Kurzschnabelgänse gehandelt hat.
Vor diesem Hintergrund muß man Meldungen von Kurzschnabelgänsen in Hessen beurteilen. Brauneis (1986) listet bis 1985 20 Meldungen von insgesamt ca. 60 Tieren in Hessen auf. Danach sind bis 1998 noch 17 Beobachtungen von insgesamt 66 Exemplaren gemeldet (Wasservogelzählung, Naturkundlicher Arbeitskreis Wetterau 1990, Enderlein, Lübcke& Schäfer 1993, [3:1987], Kraft in [7: 1987], [9: 1990], [11: 1987]). Von der Deutschen Seltenheitenkommission wurde nur die Meldung von Kahl und Harders bestätigt, die am 25.11.1989 im NSG „Kühkopf-Knoblochsaue“ (Krs. Groß-Gerau) drei Kurzschnabelgänse beobachteten (Bundesdeutscher Seltenheitenausschuss 1991).
Das heißt sicher nicht, daß alle anderen Meldungen auf Fehlbestimmungen zurückgehen, jedoch ist die wirkliche Situation der Kurzschnabelgans in Hessen nicht überschaubar. Abhilfe könnten eine sorgfältige Dokumentation der
4.Lfg.2000
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