Avifauna von Hessen
Mehrzahl der rastenden Vögel wird auf den Gewässern der Flußauen registriert (s. Tab. 2). Die Bestände konzentrieren sich im Winter zunehmend auf strömungsarme Flußbereiche und - soweit nicht zugefroren - benachbarte Stillgewässer (Altwasser, Kiesseen).
Verbreitung
Als Brutvogel ist die Tafelente in Hessen auf wenige, lokale Brutvorkommen beschränkt (Abb. 1).
Der erste sichere Brutnachweis gelang 1952 an den Mooser Teichen (Vogelsbergkreis) im östlichen Vogelsberg (Gebhardt 1952, Gebhardt & Sunkel 1954, Berg-Schlosser 1968). Das Mooser Teichgebiet blieb bis Mitte der siebziger Jahre der einzige dauerhaft besetzte Brutplatz in Hessen. Einzelne Brutnachweise wurden lediglich von den Schiersteiner Klärteichen in Wiesbaden (Zingel 1962), dem Lampertheimer Altrhein, Krs. Bergstraße, (Berg-Schlosser 1968) und aus dem Höchster Stadtpark, Stadt Frankfurt, (Ziergeflügel, s. Peters 1967) bekannt.
Um 1975 setzte eine zögernde Besiedlung neuer Brutgewässer ein: Die Tafelente trat seitdem an acht weiteren Plätzen als Brutvogel auf (Tab. 1). Davon blieben bis heute nur das NSG „Rhäden von Obersuhl“ (Krs. Hersfeld-Rotenburg) und das NSG „Kelzer Teiche“ (Krs. Kassel) kontinuierlich besetzt. Beide stehen derzeit an Bedeutung gleichrangig neben dem Mooser Teichgebiet. Bemerkens werterweise ist der Vorstoß nach Rheinland-Pfalz im gleichen Zeitraum wie die hessische Arealausweitung erfolgt (vgl. Kunz & Simon 1987, Pickel 1988).
Die drei regelmäßig besetzten Brutplätze liegen ausnahmslos nördlich des Mains. Südhessen scheint noch nicht dauerhaft besiedelt, obwohl die Tafelente spätestens seit 1977 regelmäßiger Brutvogel in der angrenzenden rheinland-pfälzischen Oberrheinebene ist (Simon 1983) und die Einzelbruten der sechziger Jahre im südhessischen Raum stattfanden.
Zur Zugzeit und im Winter wird die Art im ganzen Land angetroffen. Die bedeutendsten Rastgebiete befinden sich im Rhein-, Main- und Edertal (Tab. 2). Den drei erstgenannten Zählstellen in Tabelle 2 kommt als Winterquartier nationale Bedeutung zu (Kriterien nach Harengerd, Kölsch & Küsters 1990). Doch verteilen sich rastende Ententrupps auf eine Vielzahl von weiteren Gewässern. Auch außerhalb der Auen der großen Flüsse können selbst auf relativ kleinen Gewässern größere Ansammlungen beobachtet werden. So meldet Scherer 588 Tafelenten, die am 15.11.87 auf dem Nördlichen Knappensee (Kreis Gießen) rasteten [9: 1990b].
Im Spätherbst und Winter konzentrieren sich die Bestände zunehmend auf die Gewässer der Rhein- und Untermainebene: Bereits Mitte November werden dort bei den Wasservogelzählungen durchschnittlich mehr als drei Viertel aller Enten festgestellt; im Dezember und Januar beträgt der Anteil über 90 Prozent.
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