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Andre Bellard
Aber erst im Jahre 1930 konnte Rene Dezavelle die paläolithischen Grabungsergebnisse zusammenstellen, die er auf beiden Seiten der Seiiie, etwa 20 km von Metz, gemacht hatte; diese Funde wurden von dem berühmten Abbe Breuil vor der Französischen Prähistorischen Gesellschaft als zweifellos dem Mousterien vom Acheuleen her zugehörig anerkannt.
Aber womit wir uns in unseren Forschungen und Veröffentlichungen besonders befaßt haben, das war die Jungsteinzeit. Die Fundstücke aus dieser Zeit zeigen in dem, was man den „Schmelztiegel Moselland“ nennen kann, eine äußerst verschiedenartige Zusammensetzung. Eine Feststellung drängt sich auf: Das Flußgebiet der Mosel ist offenbar ein Zentrum der Durchdringung verschiedener Kulturen gewesen, deren Ursprung manchmal im Osten, manchmal im Westen zu suchen ist; daraus kann man die Folgerung herleiten, daß der Fortschritt bei den Grabungen und Forschungen eine wirksame Zusammenarbeit erfordert zwischen den Forschern des Moselgebietes und denen des linken Rheinufers.
Zu diesen Forschungen ist in jüngster Zeit ein wertvoller Beitrag geliefert worden, der geeignet ist, das verwickelte Durcheinander dieser verschiedenen Kulturen zu klären. Das ist die 19 5 5 erschienene Arbeit von Bailloud und Mieg de Booezheim über „Die neolithischen Kulturen auf französischem Boden in ihrem Zusammenhang mit dem übrigen Europa“ und die 1964 veröffentlichte Abhandlung von Bailloud allein über „Das Neolithikum im Pariser Becken“. Bailloud räumt auf mit der Aufteilung in kleinste Einheiten, die bei zu vielen Autoren die Klassifizierung des Neolithikums kennzeichnet, und unterscheidet im Raum des Pariser Beckens — von dem das Moselgebiet nur eine Östliche Randlandschaft darstellt — die jüngere Bandkeramik, das Chasseen, die Seine-Oise-Marne-Kultur und verschiedene frühbronzezeitliche (Chalcolithique) Elemente.
Als erster hat Reinecke im Jahre 1900 einige Wohnplätze des Pariser Beckens den Bandkeramikern zugeordnet und zwar in seiner in der „Westdeutschen Zeitschrift für Geschichte und Kunst“ veröffentlichten Abhandlung „Zur jüngeren Steinzeit in West- und Süddeutschland“. Auch Werner Buttler hat sich hier große Verdienste erworben mit seiner 193 8 herausgekommenen Arbeit über „Der donauländische und westische Kulturkreis der jüngeren Steinzeit“.
Englische und italienische Prähistoriker, die 1932 mit Arbeiten hervorgetreten sind, haben den Begriff einer Chassey-Kultur klar herausgestellt, und die Arbeiten von Bailloud, die sich mit diesem Platz in Burgund beschäftigen, haben den Begriff einer Campigny-Kultur als unhaltbar erwiesen und ihn in die Reihe der überholten Ordnungsbegriffe verwiesen wie das Vademontien und das Dommartinien von Goury.
Der Begriff der Seine-Oise-Marne-Kultur (abgekürzt S. O. M.-Kultur), wie er 1926 von Bosch- Gimpera und Serra-Rafeols aufgestellt worden ist, wird von Arnal und Burnez genauer umschrieben als Gesellschaft einer steinzeitlichen Produktion vom Typ Campigny in der Horgener Kultur in der bedeutenden Abhandlung, die sie 19 5 8 in dem „Bericht der Römisch-Germanischen Kommission“ auf deutsch veröffentlicht haben.
Schließlich hat die vorgeschichtliche Forschung des Moselgebiets durch den Fund der Glocken- becher von Terville und Marly-sur-Seille in der allerletzten Zeit Bailloud die Möglichkeit gegeben, mit einiger Wahrscheinlichkeit den Weg zu erkennen, auf dem die rheinischen Glockenbecherleute in den Osten des Pariser Beckens gekommen sind, einen Weg, den die Bandkeramiker etwa 1500 Jahre früher ebenfalls genommen haben.
Anschrift des Verfassers: Andre Bellard, 11, rue du Berceau, Noveant-sur-Moselle (Moselle), Frankreich.
