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forschenden Gesellschaft
Unter gewissen Voraussetzungen können die Befunde zudem ais Stichproben gelten ( s . Scher -
ner 1981 ) . Prinzip und Genauigkeit einer Kartierung sind freilich unabhängig davon , ob etwa
die Siedlungsdichte oder lediglich die Anzahl der Brutpaare interessiert . Selbst die Annahme ,
daß ein Gelände eine Probefläche darstellt , hat keinen Einfluß auf die Methode .
„ Siedlungsdichte - “ und „ Probeflächenmethode “ sind nicht nur unnötige , sondern auch irre¬
führende Bezeichnungen ( Vortäuschen von Besonderheiten gegenüber dem Kartierungsver¬
fahren ) . Im Vokabular der Ornithologie haben sie dennoch einen festen Platz gefunden , ähn¬
lich wie der seit einigen Jahren höchst populäre „ Biotop “ . Dieser Begriff gilt zuweilen als
Synonym für „ erhaltenswerte “ oder „ natürliche Flächen “ ( vgl . Biotopschutz , - pflege , - gestal -
tung , - planung , - management usw . ) . Meist aber soll er lediglich das deutsche Wort „ Lebens¬
raum “ ersetzen ( z . B . Vogelbiotope Bayerns , Biotoppräferenz der Heckenbraunelle , Biotop¬
ansprüche der Nachtigall , Brutbiotop des Mauerseglers , Nahrungsbiotop des Feldsperlings ,
Rastbiotop der Bergente , Siedlungsdichte in Fichtenwaldbiotopen ) .
Keine Lebensgemeinschaft ( Biozönose ) existiert ohne Lebensstätte ( Biotop ) . Beide sind z . B .
durch Stoffkreisläufe eng miteinander verbunden und bilden ein Ökosystem . Der Biotop ist
demnach die Umwelt einer Biozönose , nicht aber einzelner Individuen oder Arten . Er umfaßt
nur die abiotischen Gegebenheiten in einem Ökosystem . Wie sehr diese Definition häufig
mißachtet wird , illustrieren , stellvertretend für viele Beispiele , die folgenden Zitate aus einer
avifaunistischen Monographie :
„ Die optimalen Biotope des Waldbaumläufers sind Kiefern - und Fichtenforsten mit einem
Mindestalter von 60 bis 70 Jahren . Die Strauch - und Krautschicht hat offenbar keine Bedeu¬
tung . Der Waldbaumläufer besiedelt auch reine Eichenbestände und Laubmischwälder , also
solche Biotope , in denen der Gartenbaumläufer seine größte Siedlungsdichte erreicht . “ —
„ Bei einem Vergleich der Biotope des Sommer - und Wintergoldhähnchens fällt auf , daß die
erstgenannte Art neben Fichtenwäldern und Kiefernforsten mit starkem Anteil der Fichte
auch ältere Mischbestände bevorzugt . Selbst in fast reinen Laubwäldern , die nur einige Fich¬
ten aufweisen , siedelt sich das Sommergoldhähnchen an . “
Diese Beschreibungen der Lebensräume und Umweltansprüche einiger Vogelarten beschrän¬
ken sich auf die Vegetation . Pflanzen aber sind Organismen und daher — ebenso wie Baum¬
läufer und Goldhähnchen — Bestandteile von Biozönosen . Dagegen fehlen Informationen über
die vielfältigen Merkmale der zugehörigen Biotope ( z . B . Höhe des Grundwasserstandes ,
mittlere Lufttemperatur im Sommerhalbjahr , Wärmeleitfähigkeit des Bodens , monatliche
Niederschlagsmengen , Intensität des Tageslichtes , Kohlendioxidgehalt der Luft , Häufigkeiten
von Tau und Nebel ) .
Biotop und Biozönose „ gehören zusammen wie Schlüssel und Schloß , wie Schraube und
Mutter “ ( Schwerdtfeger 1963 ) . Es handelt sich um Spezialausdrücke der Biozönotik ( Biozöno -
logie ) , eines Teilgebietes der Synökologie . Ihre Verwendbarkeit in der Ornithologie ist gering ,
weil definitionsgemäß weder die einzelne Population noch die gesamte Avifauna eines Rau¬
mes Biozönose sein kann ; Vögel sind immer nur Mitglieder einer umfassenderen Lebens¬
gemeinschaft .
Die Beschreibung von Biotopen dürfte die Kompetenz der meisten Ornithologen und vor allem
der Avifaunisten weit überschreiten ( Angaben wie „ Kiefernalthölzer mit Fichten - oder Laub¬
holzunterbau “ sind keine Biotop - Beschreibungen ! ) . Hier sollte auf den abstrakten Begriff
völlig verzichtet werden .
Kaum ein Begriff wird so häufig falsch gebraucht wie „ Biotop “ , trotz Warnungen auch in orni -
thologischen Zeitschriften ( Kalbe1965 , Mauersberger 1970 , Müller 1970 , Berndt u . Winkel 1978 ) .
Manchmal geschieht dies sogar vorsätzlich , etwa weil das Wort ja „ einem großen Leserkreis
geläufig “ sei . Dabei entsteht ein beliebig interpretierbarer Universalterminus für fast jeden
Flecken auf der Landkarte . Ein derartiger Bedeutungswandel aber schafft Unklarheiten ) . Den
Schaden haben die Wissenschaftler , die auf eindeutige , richtig benutzte Fachausdrücke an¬
gewiesen sind .
* ) „ Außerdem verstößt ein solches Verfahren gegen das Prioritätsprinzip , das auch in der
Nomenklatur der Bezeichnungen und Begriffe gelten sollte . Wer einen Begriff prägt , sollte
beanspruchen dürfen , nicht nur daß er als Autor genannt , sondern daß auch der Begriff in
dem ihm ursprünglich zugedachten Sinne benutzt wird ( Schwerdtfeger 1963 . 15 ) .
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