Auch falscher Wortgebrauch schafft Vorbilder , und es gehört wohl zum Wesen des Menschen ,
daß er Vorgefundene Begriffe und Formulierungen manchmal bedenkenlos übernimmt . Nach¬
lässigkeiten von Autoren , Schriftleitungen und Lesern können deshalb leicht Traditionen be¬
gründen , die zwar unerfreulich , aber kaum aufzuhalten oder gar umkehrbar sind . Ein Beispiel
ist der „ Biotop “ , ein anderes die in avifaunistischen Abhandlungen häufige Bezeichnung
„ Exemplare “ oder „ Ex . “ ( korrekte Abkürzung „ Expl . “ laut „ Der Große Duden “ , Bd . 1 ) für
freilebende Vögel ( s . Gnielka 1980 ) .
Mögen viele der vorgestellten Beispiele belanglos oder lediglich amüsant erscheinen — in
ihrer Gesamtheit sind sie doch eine Aufforderung zu sorgsamem Umgang mit der Sprache ,
dem unersetzlichen „ Werkzeug “ des Wissenschaftlers . Wer dieses Gebot mißachtet , riskiert
nicht immer nur aen Verlust an Klarheit .
Angeführtes Schrifttum
B e r n d t , R „ u . Winkel , W . ( 1978 ) : Zur Definition der Begriffe Biotop , Zootop , Ornitop
— Ökoschema , Monoplex , Habitat . — Vogelwelt 99 , p . 141 — 146 .
— u . — , — ( 1983 ) : Öko - ornithologisches Glossarium . — Vogelwelt , Beih . 3 , p . 1 — 79 .
Ellenberg , H . ( 1973 ) : Ziele und Stand der Ökosystemforschung . — In : Ellenberg , H . :
Ökosystemforschung . Berlin , Heidelberg , New York , p . 1 — 31 .
Gnielka , R . ( 1980 ) : Sul und Sprachkultur in avifaunistischen Veröffentlichungen . — ln :
Hamsch , S . : Festschrift zum 200 . Geburtstag von Johann Friedrich Naumann . Berlin ,
p . 33 - 37 .
Hölzinger , J . , Knötzsch , G . , Kroymann , B . u . Westermann , K . ( 1970 ) :
Die Vögel Baden - Württembergs — eine Übersicht . — Anz . Orn . Ges . Beyern 9 , Sonderh . ,
p . 1 - 175 .
Kalbe , L . ( 1965 ) : Die Begriffe Biozönose und Biotop in der Ornithologie . — Falke 12 , p .
345 - 347 .
Mauersberger , G . ( 1970 ) : Biotop , Habitat und Nische . — Beitr . Vogelk . 16 , p . 260 — 266 .
Müller , H . J . ( 1970 ) : Habitat und Biotop . — Mitt . Interessengemeinschaft Avifauna DDR
Biol . Ges . DDR 3 , p . 67 — 74 [ Nachdruck : Entomol . Nachr . 15 , p . 113 — 118,1971 ] .
Naumann , J . F . ( 1837 ) : Ornithologische Reise nach und durch Ungarn . — Arch . Natur -
gesch . 3 , p . 97 — 100 .
Scherner , E . R . ( 1981 ) : Die Flächengröße als Fehlerquelle bei Brutvogel - Bestandsauf¬
nahmen . — Ökol . Vögel 3 , p . 145 — 175 .
Schwerdtfeger , F . ( 1963 ) : Ökologie der Tiere . Bd . 1 . 1 . Aufl . — Hamburg , Berlin .
Dr . E . R . Scherner , Strandallee 3 , D - 2893 Butjadingen 3
In den Sandhügeln von Fülöphäza ( Ungarn )
von Gerhard Creutz , Neschwitz
Am 1 . Januar 1975 wurde der Nationalpark „ Kiskunsäg “ ( Kiskunsägi Nemzeti Park ) als dritt¬
größtes Reservat Ungarns gegründet . Von dem 30 . 628 ha großen Gebiet wurden 1979 zwei
Drittel im Rahmen des UNESCO - Programms „ Mensch und Biosphäre “ ( MAB ) zur Biosphäre -
Reservation erklärt . In sechs Teilgebieten sind unterschiedlichste Landschaftsformen , wie
Pusztaebenen , Sandsteppen , Natronseen und Salzwiesen unter Schutz gestellt . Von diesen
sind die Sandhügel von Fülöphäza ( 1 . 665 ha ) am eindruckvollsten .
Südwestlich der ungarischen Stadt Keczkemet durchschneidet die Straße 52 auf mehrere Kilo¬
meter ein Dünengelände , das seinen Ursprung nacheiszeitlichen Ablagerungen der — heute
weit entfernt fließenden — Donau verdankt . Mit ihrem beständigen Wechsel von hohen Sand¬
bergen und wasserlosen Mulden , Rinnen und ebenen , steppenartigen Flächen , ist diese
Landschaft einem aufgewühlten Meere vergleichbar , das erstarrt ist . Die Vegetation ist aus¬
gesprochen dürftig , weil die jährliche Niederschlagsmenge von 300 mm ( im Höchstfall 500 mm )
nur anspruchslosesten Pflanzen eine Lebensmöglichkeit bietet . Oftmals stellen nur einige
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