Wanderdüne in den Sandhügeln bei Fülöphäza ( Ungarn ) . Foto : Fl . Förster
Moose oder Flechten die Pioniere einer ersten Pflanzendecke . Stellenweise bilden Sand¬
silbergras ( Weingaertneria canescens ) , Wolfsmilch ( Euphorbia sp . ) , Flungerblümchen ( Ero -
phila sp . ) oder Schuppenmiere ( Spergularia sp . ) kleine Polster , zwischen denen die zierliche
Eidechse ( Lacerta taurica ) flink dahinhuscht und überall die Larven der Ameisenjungfer ( Myr -
meleon tormicarius ) ihre Fangtrichter angelegt haben . Größere Bestände des Feder - oder
Pfriemengrases ( Stipa pennata ) lassen ihre federfeinen Rispen in silbernen Wellen wimpeln .
Einige Dünen , die „ Feher - hegy “ ( Weiße Hügel ) sind noch nicht durch Pflanzenwurzeln ge¬
bändigt . Der Wind treibt von ihnen Wolken feinen , braunen Sandstaubes hoch , und wandernd
begräbt der Flugsand einzelne Sträucher und Bäume . Verstreut wachsen einzelne Wacholder
( Juniperus communis ) oder Weißdornbüsche ( Crataegus sp . ) , deren Spitzen gern das Schwarz¬
kehlchen ( Saxicola torquata ) als Singwarte und der Rotrückenwürger ( Lanius collurio ) als
Lauerplatz benützen . An geeigneten Stellen bilden Robinien ( Robinia pseudoacacia ) , Silber¬
und Pyramidenpappeln ( Populus alba und P . pyramidalis ) Baumgruppen oder gar kleine
Wäldchen .
Um die Mitte des Monats Mai verströmen die Robinien einen betäubenden Duft aus Millionen
von Blüten , die wenige Tage später den Sandboden mit einem weißen Teppich bedecken . Die
dünn belaubten , sparrigen Zweige mit ihren widerlichen Stacheln geben nur selten die Unter¬
lage für ein Vogelnest ab . Am ehesten bauen noch Turtel - und Türkentaube ( Streptopelia
turtur und St . decaocto ) ihr Nest auf ihnen oder der Grauschnäpper ( Muscicapa striata ) in
einem Spalt der rissigen Rinde . Dagegen nistet die Elster ( Pica pica ) hier mit Vorliebe in den
aufstrebenden Ästen der Pyramidenpappeln , in deren Stamm gern Bunt - und Blutspecht
( Dendrocopos major und D . syriacus ) ihre Nisthöhle zimmern , die nach ihnen Wendehals
( Jynx torquilla ) , Feldsperling ( Passer montanus ) oder Kohlmeise ( Parus major ) beziehen .
Bemerkenswerterweise konnten wir keine weitere Meisenart bestätigen und begegneten ledig¬
lich einmal einem Pärchen der streifenköpfigen Schwanzmeise ( Aegithalos caudatus ) .
Neben der Robinie ist die Silberpappel die häufigste Baumart . Wo ihre Stämme einen Durch¬
messer von 40 cm und mehr erreichen , weisen sie gelegentlich ausgefaulte Astlöcher , öfter
aber vom Grünspecht ( Picus viridis ) gemeißelte Bruthöhlen auf , die fast ausnahmslos von
Dohlen ( Corvus monedula ) oder von Staren ( Sturnus vulgaris ) besetzt sind . Beide Arten haben
ständige Angriffe der Blauracke ( Coracias garrulus ) abzuwehren , wenn dieser Spätankömm -
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