KLEINE MITTEILUNGEN

Frühzeitiges Verleiten beim Buchfink (Fringilla coelebs)

Untei Verleiten wird ein Verhalten verstanden, das eine ganze Anzahl von Vogelarten während der Brutzeit einem sich dem Nest oder kleinen Jungen nähernden Bodenfeind gegenüber zeigen. Bisher spielte bei den meisten Planbeobachtungen der Mensch die Rolle des Feindes (vgl. Handbuch der Vögel Mitteleuropas, 6 S. 16).

Während langjähriger Vogelbeobachtungen sah ich einige Male verleitende Buchfinken, ohne speziell auf diese Verhaltensweise zu achten. Die verleitenden Tiere waren ausnahmslos <3, die Junge führten. Um so mehr überraschte mich ein verleitendes S an einem Ort und Zeit­punkt (10. April 1976), wo außer einem 9 weder ein Nest noch Junge vorhanden waren: Auf einem Brachfeld, das ein Feldweg vom nahen Wald trennte, stellte sich während meines Vorübergehens das <3 flügellahm und bewegte sich flatternd, in kleinen Sprüngen von mir fort; das 9 blieb währenddem geduckt sitzen.

Der frühe Zeitpunkt der Auslösung des Verleitens, bei Anwesenheit eines 9 ohne Nest und Junge, ist bemerkenswert. Anscheinend waren beide Vögel schon verpaart, und das $ brachte bei der Wahrnehmung meiner Person seineSorge um seingefährdetes $ durch Verleiten zum Ausdruck.

Planbeobachtungen zur Zeit des Ausfliegens und Führens der Jungen könnten klären, ob das Verleiten beim Buchfink nicht nur eine Ausnahmeerscheinung bei <3 ist und ob sich auch 9 daran beteiligen. Fritz F r e j t a g _ Siechhofstraße 4, D 6330 Wetzlar

Elster (Pica pica) attackiert Steinkauz (Athene noctua)

Am 28. April 1978 wurde von Werksangehörigen auf dem VFW-Gelände (Bremen-Flughafen) folgende Beobachtung berichtet, die von J. Wulf, der von Kollegen verständigt wurde, be­stätigt werden konnte (vor allem Artdiagnose).

Danach wurde ein Steinkauz, der den Nestbaum eines Elsternpaares angeflogen hatte, von diesen heftig attackiert und schließlich zum Abfliegen gezwungen. Dabei prallte der Steinkauz gegen die Fensterscheibe eines nahestehenden Gebäudes. Der Kauz (eventuell vom Aufprall etwas benommen?) flog dann anschließend wieder in den Nestbaum, wo er sich mit einem Fang im Gezweig verfing. Die Elstern saßen nun über dem mit dem Kopf nach unten hän­genden Kauz und hackten kräftig auf diesen ein. Inzwischen waren auch einige Kleinvögel auf den Kauz aufmerksam geworden und haßten ebenfalls auf ihn. Der Kauz wehrte sich zunehmend schwächer mit Flügelschlägen gegen die Elstern und wurde schließlich von einem Angestellten aus seiner mißlichen Lage befreit.

Der Kauz reagierte nicht (Augen geschlossen, inwieweit es sich hierbei um eine Reaktion auf die Gefangennahme handelte, muß wohl offen bleiben), doch zeigte der fühlbare Herzschlag, daß er lebte. Sichtbare Verletzungen waren nicht festzustellen. Nach ca. einer Stunde wurde der Steinkauz dann wieder freigelassen; Nachwirkungen der Angriffe waren nach Angaben desPflegers nicht zu erkennen.

Lutz Ritzel, Adam-Stegerwald-Straße 32, D 2800 Bremen 41 Jürgen Wulf, Stolberger Straße 17, D 2800 Bremen

Elstern (Pica pica) essen Ebereschenbeeren

Am 8. September 1978 beobachtete ich bei der Fachhochschule in Wilhelmshaven, wie gegen 19.00 Uhr 8 bis 10 Elstern in zwei Ebereschenbäume einfielen und eifrig Beeren aufnahmen. Sie blieben einige Minuten und kehrten nach kurzer Zeit noch einmal zuruck. Zu beachten ist auch die Uhrzeit. Die Elster ist zwar als Beerenesser bekannt (vgl. z. B. Niethammer, Hand­buch der Deutschen Vogelkunde, Bd. I, S. 23), eine Beerenaufnahme scheint aber nicht so oft vorzukommen, da sie selten beobachtet wird. Möglicherweise spielt die Scheuheit dieser Vögel eine RRolle, die dem Beobachter gewöhnlich schon auf weitere Entfernung fliehen und deshalb nähere Beobachtungen vereiteln.

Bährmann (1968) gibt in seiner Monographie der Neuen Brehm-BuchereiDie Elster , S. 60 bis 64, einen Abriß der Ernährung, ohne die Eberesche (Sorbus aucupana) speziell auf- zuführen. Hans Bub, Klinkerstraße 71, D 2940 Wilhelmshaven

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