NACHRICHTEN
Eröffnung des „Grzimek-Hauses“ des Zoolog. Gartens Frankfurt am Main
Es ist die Politik des Zoologischen Gartens Frankfurt am Main schon seit über 20 Jahren, nicht möglichst viele Tierarten zu zeigen, sondern einen repräsentativen Querschnitt durch die Tierwelt, also auch nachtaktive Formen. Diese bekommt der Besucher entweder überhaupt nicht zu sehen oder, wenn sie gehalten werden, meist nur schlafend.
Um dem Besucher Einblick in die Lebensweise dieser Arten zu geben, um ihm zu zeigen, wie Fledermäuse fliegen, Springhasen springen, Schleichkatzen schleichen, sind die herkömmlichen Haltungen schlecht geeignet. Da der Mensch ein vorwiegend tagaktives Lebewesen ist, muß der Aktivitätsrhythmus der Nachttiere umgestellt werden. Ein moderner Zoo kann es sich auch nicht mehr erlauben, das Tier selbst nur als reines Schauobjekt zu halten. Er muß vielmehr, ebenso im Interesse der Arterhaltung, optimale Lebensbedingungen für seine Bewohner schaffen und dem Besucher, soweit es überhaupt möglich ist, das Tier in seinem Lebensraum vorstellen, das heißt, den Bezug zur Umwelt und ökologische Zusammenhänge verdeutlichen. Mehr denn je hat die Ansicht des Provisorischen Comites, einer Bürgervereinigung, die den Anstoß zur Gründung des Zoologischen Gartens Frankfurt 1858 gab, volle Gültigkeit, nämlich, daß ein Zoologischer Garten „ein lebendiges Lehrbuch der Naturgeschichte“ sei, in dem man die Tiere in ihrem ganzen Wesen und Treiben erfassen könne. Diese Überlegungen haben den Zoo Frankfurt veranlaßt, das bereits 1899 erstellte Kleinsäugerhaus nicht nur einfach durch ein etwas moderneres Haus gleichen Stils zu ersetzen, sondern aufgrund der erhöhten Anforderungen neue Wege zu gehen. Hier waren die modernen technischen Möglichkeiten, das vorhandene tiergartenbiologische Wissen und außerdem ästhetische Gesichtspunkte nach bestem Können einzubringen.
Für das Wohlbefinden der Tiere ist die auf jede Tierart ausgerichtete Gehegegestaltung von großer Bedeutung. Die entstehenden Lebensräume sollen dem Besucher einen möglichst umfassenden Eindruck vom Tier und eine Vorstellung seiner Umwelt vermitteln. Gerade in der Nachtabteilung sind es Säuger, die den meisten Laien nicht einmal dem klangvollen Namen nach bekannt sind. Hier tummeln sich südamerikanische Zwerg- agutis und australische Schwimmratten, Nagetiere, die mit den uns geläufigen Ratten und Mäusen nicht viel gemeinsam haben. Springhase und Wüstenspringmaus sprechen wegen ihrer aufrecht hüpfenden Gestalt den Menschen an. Unter den Nachttieren sind Buschbabys zwar dem Namen nach bekannt, wohl aber kaum im Aussehen und Verhalten. Die gemächlich kletternden Mausmakis und Schlank- I o r i s bilden zu den hüpfenden G a l a g o s aus der gleichen Familie einen auffallenden Gegensatz, während die südamerikanischen Nachtaffen den „gehobenen Schichten“ aus dieser Gruppe angehören. Unter den nächtlich lebenden Raubtieren sind die Fenneks oder Wüstenfüchse mit ihrem ansprechenden Aussehen Publikumslieblinge. Die zierlichen Rostkatzen und die pummeligen Wickelbären wetteifern mit ihnen um die Besuchergunst. E r d w ö I f e und Bänderpalmenroller waren schon früher an anderen Stellen im Zoo zu sehen — meist schlafend. Das nachtaktive Faultier aber wird selbst unter diesen Bedingungen nur sporadisch Aktivität zeigen. Es macht seinem Namen mit zeitlupenhaft langsamen Bewegungen alle Ehre.
Die V o g e I w e 11 ist ebenfalls in der Nachtabteilung vertreten mit den afrikanischen Perl- k ä u z e n und den australischen Entenschwalmen.
In der Tagabteilung trifft der Zoobesucher einige alte Bekannte in neuer Umgebung wieder. So leben die früher im Menschenaffenhaus so blendend züchtenden Braunrücken- tamarine jetzt in einer Großfamilie in einem riesigen Käfig, der sich durch zwei Stockwerke des Hauses erstreckt. Kaiserschnurrbart- und Springtamarine sind hier wieder anzutreffen, und die Roten Brüllaffen zogen von ihrer vorübergehenden Unterbringung im Affenhaus in das fertiggestellte Grzimek-Haus um. Blaßkopfsaki, V a r i und Rotbauchtamarin ergänzen den Bestand. Servale und Wüstenluchse sind den älteren Zoobesuchern noch aus dem früheren Kleinsäugerhaus bekannt, Zwer gmangusten von ihrer Anlage im Rundbau. Dazugekommen sind Fuchs- mangusten aus Südafrka. Borsten- und Rotschenkelhörnchen, afrikanische Streifenmäuse und Stachel mäuse beweisen, daß Nagetiere nicht nur — wie die Sandmäuse in der Dunkelabteilung — bei Nacht munter sind. Klippschliefer
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