KLEINE MITTEILUNGEN
Dreistachliger Stichling ( Gasterosteus aculeatus )
als Nahrung von Bleßrallen ( Fulica atra )
Bei der Bleßralle ( Fulica atra ) ist bekannt , daß sie beim Tauchen selten , aus oberflächen¬
nahen Jungfischschwärmen dagegen unter besonderen Bedingungen häufiger lebende Fische
erbeutet ( Glutz v . Blotzheim 1973 ) . Bereits Rinnhofer ( 1985 ) nennt — und dokumentiert mit
Fotos — den Stichling als Nahrung der Bleßralle ; er gibt jedoch keine quantitativen Daten .
Erwähnenswert erscheinen mir deshalb Beobachtungen aus den Jahren 1979 bis 1986 an
einem Klärteich einer ehemaligen Eisenerzaufbereitungsanlage in Salzgitter/Niedersachsen .
Alljährlich wurden an dem 160 ha großen Gewässer sowohl tauchende als auch oberflächen¬
nah fischende Bleßrallen beobachtet .
Am 29 . Juni 1979 konnten unter guten Beobachtungsbedingungen neben fischenden Lach¬
möwen , Stockenten , Hauben - und Zwergtauchern auch 6 Bleßrallen als lose Gruppe fest¬
gestellt werden , die gegen 17 Uhr wiederholt tauchten und verschiedentlich mit einem
noch zappelnden Stichling im Schnabel wieder an der Wasseroberfläche erschienen . Auf¬
grund der Gewässertiefe kann die maximale Tauchtiefe in den verschiedenen Bereichen nur
0,5 bis 1,5 m ( durchschnittliche Tiefe ca . 0,5 m ) betragen haben . Tauchstrecken von 1m
waren die Regel , bis 3 m die Ausnahme ; die Tauchdauer betrug maximal 12 sec . Bei einer
Bleßralle konnten innerhalb von 4 Minuten 4 erfolgreiche Stichlingsjagden aufgezeichnet
werden .
Obwohl Fische erbeutende Bleßrallen von mir an diesem Gewässer alljährlich in den Monaten
Mai bis September festgestellt werden konnten , gelang erst 1986 erneut eine etwas umfang¬
reichere Beobachtung : Am 14 . Juni 1986 tauchten zwei Bleßrallen von ca . 9 . 50 bis 10 . 20 Uhr
wiederholt an einer steinigen Steiluferstelle ( Tiefe etwa 1 m ) nach Ansammlungen von Stich¬
lingen , zum Teil konzentrierten sich bis zu 300 Exemplare . Da eine Unterscheidung beider
Rallen durch die Tauchaktivität bedingt nicht immer möglich war , kann nur die sicher beobach¬
tete Gesamtbeute beider Tiere angegeben werden . Sie belief sich auf mindestens 12 Stich¬
linge , wobei allerdings nicht alle geschluckt wurden . Mindestens 2 wurden aus nicht feststell¬
baren Gründen nach dem Transport im Schnabel fallengelassen und trieben gegen das Ufer .
Beide Bleßrallen suchten um 10 . 20 Uhr eine ca . 50 m entfernt gelegene Stelle auf , um dort
Algen zu essen .
Literatur
Giutz v . Blotzheim ( Hrsg . ( 1973 ) : Handbuch der Vögel Mitteleuropas . Band 5 .
Rinnhofer , G . ( 1985 ) : Bleßrallen tauchen nach Stichlingen . Falke 32 , p . 425 .
Ralf Wassmann , Noldeweg 8 , D : 3320 Salzgitter 1
Heckenbraunelle ( Prunella modularis ) singt nachts
Aus dem Hausgarten eines Reihenhausgrundstücks der Siedlung Heidberg in Braunschweig
konnte in den Monaten April , Mai und Juni 1986 nachts wiederholt der Gesang einer Hecken¬
braunelle ( Prunella modularis ) gehört werden ; so am 12 . April von 23 . 40 bis 0 . 10 Uhr s . t . , am
21 April von 0 . 35 bis 0 . 50 Uhr s . t . , am 25 . April von 0 . 10 bis 0 . 40 Uhr s . t . , am 6 . Mai von 1 . 00
bis 1 . 10 Uhr s . t . , am 17 . Mai von 1 . 30 bis 2 . 10 Uhr s . t . , am 20 . Mai von 1 . 15 bis 1 . 50 Uhr s . t .
und am 5 . Juni von 1 . 20 bis 1 . 30 Uhr s . t .
Die Singwarte , eine ca . 3 m hohe Trauerbirke ( Betula pendula youngii ) , lag in völligem Nacht¬
dunkel . Das Licht der über 100 m entfernt befindlichen Bogenlampen der Straßenbeleuchtung
wurde durch mehrere zwischen Bogenlampen und Singwarte stehende Bäume und Sträucher
gänzlich abgeschirmt .
Ein derartiges Verhalten einer Heckenbraunelle war mir bisher noch nicht bekannt .
Horst Wiehe , Am Hohen Tore 2 A , D - 3300 Braunschweig
124