Mißlungene Baumbrut der Blaumerle ( Monticola s . solitarius )
Normalerweise findet man die Nester der Blaumerle ( Monticola solitarius ) in unzugänglichen
Löchern , Nischen , senkrechten und waagerechten Spalten , auf Simsen , in Felswänden , Stein¬
brüchen , Einzelfelsen , in Höhlen , aber auch in Steinmauern , ( Kirch - ) Türmen usw . ( z . B . Beven
1968 , König 1966 , Sultana 1978 ) . Über Abweichungen von dieser „ Steingebundenheit “ finden
sich im Schrifttum nur wenige Aussagen : Heim de Balsac/Mayaud ( 1962 ) weisen für Nord¬
afrika auf „ gelegentliches “ Brüten der Blaumerle in größeren Höhlungen von Zedernstämmen
hin ; frühere Autoren ( Naumann 1822 , Brehm 1823 , Hennicke 1905 ) haben sich wohl jeweils
auf Temminck bezogen ( vgl . Naumann 1822 ) . In allen diesen Fällen fehlen Detailangaben
gänzlich .
Am 12 . Juni 1985 wurde in der Sierra de la Mosca ( Provinz Cäceres , Spanien ; geogr . Koord .
39 ° 26 ' N 6 ° 17 ’ W ; 630 m über NN ) ein Blaumerlenpaar beobachtet , das flügge Junge führte .
Beide Altvögel verteidigten einen bestimmten Bereich am Fuße einer Felswand aggressiv
gegen Grünlinge ( Carduelis chloris ) , Blauelstern ( Cyanopica cyanus ) und junge Amseln ( Tur -
dus merula ) . Schließlich schlüpfte das $ in eine Höhlung im Stamm einer Korkeiche ( Quercus
suber ) , blieb darin etwa 3 Minuten lang und begann anschließend , in der Nähe zu jagen .
Bei der Untersuchung der Örtlichkeit wurde ein fertiges Nest entdeckt . Es befand sich in
3,05 m Höhe ( oberer Nestrand bis Boden ) im Stamm des etwa 8 m hohen Baumes in einer
Höhlung , die durch das Ausbrechen eines ehemaligen Hauptastes entstanden war . In der
35 cm tiefen Höhlung war das aus Gräsern und feinen Ästchen bestehende Nest ( Mulden¬
durchmesser 10 cm , Muldentiefe 5,5 cm ) auf einem Unterbau von kleinen Astteilen ( Länge
zwischen 5 und 14 cm , Stärke bis zu 1 cm ) errichtet worden .
Der Baum stand etwa 6 m von einer Felswand entfernt , in der für die Art geeignete Nistmög¬
lichkeiten vorhanden waren ( zwei ehemalige Nester in 15 und 45 m Entfernung ) . In der Um¬
gebung befanden sich zahlreiche weitere Korkeichen von ähnlicher Größe . Der Boden war
von halbmeterhohen Gräsern und Kräutern bedeckt ; vereinzelte Felsen ragten bis zu 1 m
darüber hinaus . Charakteristisch für diesen Bereich waren zahlreiche fast vollständig kahle
Bäume ( Warten ! ) ; im September des vergangenen Jahres hatte hier ein Waldbrand gewütet ,
den nur wenige Bäume unbeschadet überstanden hatten .
Das weitere „ Schicksal “ dieses Brutversuches sei tabellarisch mitgeteilt :
14 . 6 . 85 : Morgens 1 Ei ; kein ad . in der Nähe . Abends 1 Ei ; kein ad .
15 . 6 . 85 : Morgens 1 Ei ; kein ad . Abends 2 Eier ; kein ad .
16 . 6 . 85 : Mittags 2 Eier ; kein ad . Abends 2 Eier ; S i p Nestnähe .
17 . 6 . 85 : Morgens $ längere Zeit im Eingang ; 2 jagt in 40 bis 60 m Entfernung , nähert sich
dem Nest nicht . Abends kein ad . in Nestnähe .
18 . 6 . 85 : Mittags Nest leer ; Nestboden stark zerwühlt .
21 . 6 . 85 : Morgens baut das ( farbberingte ) 2 i p etwa 80 m Entfernung in einer Felsspalte an
neuem Nest .
Literatur
Beven , G . ( 1968 ) : Studies of less familiär birds : 148 . Blue Rock Thrush . — Brit . Birds 61 ,
p . 303 - 307 .
Brehm , C . L . ( 1823 ) : Lehrbuch der Naturgeschichte aller europäischen Vögel . Bd . 1 .
Heim de Balsac , H . & Mayaud , N . ( 1962 ) : Les oiseaux du Nord - Ouest de I ’ Afrique .
Hennicke , C . R . ( Hrsg . , 1905 ) : Naumann , Naturgeschichte der Vögel Mitteleuropas .
König , C . ( 1966 ) : Europäische Vögel , I .
Naumann , J . F . ( Hrsg . , 1822 ) : Johann Andreas Naumann ’ s . . . Naturgeschichte der Vögel
Deutschlands . . . Zweiter Theil . Zweiten Bandes erste Abtheilung .
Sultana , J . ( 1978 ) : Il - Meril ! ( Blue Rock Thrush ) . - Heritage 20 , p . 382 - 383 .
Joachim H e 11 m i c h , Hagener Berg 7 , D - 3057 Neustadt 1