Gruppenbrüten beim Haubentaucher ( Podiceps cristatus )
Nördlich von Königswartha ( Oberlausitz ) durchschneidet die Staatsstraße F 96 eine Teichgruppe ,
die dem VEB Binnenfischerei Königswartha zur intensiven Karpfenzucht dient . Mit 21,2 ha Fläche
ist der Vorwerksteich der größte Teich dieser Gruppe . Er wurde im Jahre 1977 rekonstruiert , d . h .
mit schwerer Technik ausgeschoben und dabei vertieft und der unerwünschte Ufersaum aus Schilf
und Rohr beseitigt . Bei diesen Arbeiten wurden aus einem Teil des Ausschubes auch zwei Inseln
angelegt , die Enten beliebte Ruhe - und Brutplätze bieten und an deren Ufersaum gern Graureiher
nach Beute spähen .
Der Vorwerksteich war am 13 . Oktober 1982 im üblichen Turnus abgefischt worden und hatte den
Winter über trocken gelegen . Im Herbst war nach Stalldüngung auf 10 ha Winterroggen eingesät
worden , dessen nach der späteren Überflutung verfaulende Grünteile die Entwicklung des Plank¬
tons - als erste Naturnahrung für die eingesetzten Jungfische - fördern sollten . Etwa ab 1 . Juni
1983 wurde der Teich wieder bespannt , und am 13 . /14 . Juni 1983 mit vorgestreckten Karpfen ( K v )
besetzt . Am 23 . Juli 1983 überragte das kräftig gewachsene Getreide den Wasserspiegel des fla¬
chen Teiches etwa um 30 cm wie ein lückiges Kornfeld und bot in dem sonst vegetationslosen
Teich einen ungewohnten Anblick . Rasch hatten Haubentaucher die günstige Nahrungsquelle
erkannt und begannen sofort , aus Mangel an anderer Deckung , in dem „ Getreidefeld ” ihre Nester
zu bauen . In kurzer Zeit entstand auf begrenzter Fläche von rund 0,5 ha eine Brutkolonie mit 16
Haubentauchernestern . In diesen Tagen begann jedoch das Getreide abzusterben , und nach einer
heftigen Regenperiode vom 1 . bis 5 . August 1983 - gemessen wurden an diesen 5 Tagen 122,7
mm Niederschlag , davon allein am 3 . August 46,9 mm - lagen die Halme flach auf dem Wasser und
die Nester nunmehr völlig frei . Es währte nicht lange , bis die Nebelkrähen auf sie aufmerksam wur¬
den und sie zu plündern begannen . Am 11 . August war die Brutkolonie restlos zerstört , und die
alten Haubentaucher hatten ( bis auf zwei ) den Teich verlassen .
Dr . Gerhard Creutz , DDR - Neschwitz
Terekwasserläufer ( Xenus cinereus ) an der Jadeküste
Am 5 . Juni 1988 beobachtete ich im Watt , etwa 2 km südlich von Horumersiel , Kr . Friesland , einen
Terekwasserläufer . Es war Spätnachmittag , das Wasser begann zurückzugehen . Der Wattstreifen
war kaum 100 m breit .
Schon beim ersten Blick bemerkte ich , nicht eine der hier regelmäßig vorkommenden Limikolen vor
mir zu haben . Die graue Ober - , die weiße Unterseite , der längere , leicht nach oben gebogene
Schnabel und eine auffallende „ Kurzbeinigkeit ” fielen neben einer geringen Schwarzzeichnung in
Flügelbugnähe sogleich auf . Ein in der Nähe landender Rotschenkel veranlaßte den Gast zu zwei¬
maligem Auffliegen . Dabei wurde auch der weiße Flügelrand sichtbar .
Der in der borealen Zone der Ost - und Zentralpaläarktis ( mit lokalen Vorkommen in Finnland ) ver¬
breitete Terekwasserläufer wird in Mitteleuropa nach wie vor nur selten beobachtet . Glutz ( 1977 )
nennt im „ Handbuch der Vögel Mitteleuropas ” , Bd . 7 , Teil 2 , für die Bundesrepublik Deutschland
lediglich 17 Nachweise , darunter sind mehrere Junifeststellungen .
Hans Bub , Postfach 3305 , D - 2940 Wilhelmshaven 31
Mittelsäger - Brut ( Mergus serrator ) am Prespa - See
Am 11 . und 12 . Juni 1988 konnten wir an der griechischen Seite des Großen Prespa - Sees ein Mit¬
telsäger - $ mit mindestens acht Jungen beobachten . Die Vögel ruhten zeitweise am Ufer des Land¬
streifens , der den großen vom kleinen Prespa - See trennt , zeitweise schwammen sie auf der Nah¬
rungssuche parallel zum Ufer . Da die Jungvögel noch nicht voll befiedert waren , muß dort eine Brut
stattgefunden haben . Der Brutbeginn wird nach der Größe der Jungvögel etwa auf den 1 . Mai
geschätzt .
Der Brutort liegt fast 1 500 km südlicher als die normalen Brutgebiete an Nord - und Ostsee und
auch etwa 600 km südlicher als die bekannten Brutinseln an der ukrainischen Schwarzmeerküste .
Der Bruttermin liegt natürlich auch früher als im Norden .
Ein 3 konnte nicht beobachtet werden . Es wurden mehrere Belegfotos gemacht .
Literatur : Glutz von Blotzheim : Handbuch der Vögel Mitteleuropas , Band 3,1969
Harald Mendel , Friedberger Str . 10 , D - 6350 Bad Nauheim
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