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Wolf gang Kolbe , Albrecht Krause , Wilhelm Meyer , Hubert Roer
( 1927a ) an der Einregelung der Sanidintafeln die Quellkuppe rekonstruieren können .
Anschließend , vielleicht auch teilweise schon gleichzeitig mit der Trachytförderung ,
drangen Latitkuppen auf ( Wolkenburg , Hirschberg , Breiberg , Stenzeiberg , Rosenaugang
und andere ) . Ihre Mineralien und Einschlüsse sind nicht in keulenförmig nach oben
geschlossenen Flächen angeordnet wie bei den trachytischen Quellkuppen , sondern sie
liegen auf Zylinderflächen , was darauf hinweist , daß diese Laven die Tuffoberfläche als
Stau - oder Stoßkuppen wie breite Türme durchstoßen haben ( H . & E . Cloos 1927b ) . Es
wurden auch latitische Tuffe gefördert , aber gegenüber den Trachyttuffen in verschwindend
kleiner Menge . Vor , während und nach dieser intermediären bis sauren Förderphase
wurden basaltische Laven gefördert . Sie entstammen dem Erdmantel , kommen also aus grö¬
ßeren Tiefen . Sie bilden Gangfüllungen oder Kuppen in der Trachyttuffdecke , haben oft
auch einen basaltischen Tuffmantel , sind demnach zum größten Teil auch als Subvulkane
erstarrt . Am Westhang des Lauterbachtales gegenüber von Stieldorferhohn findet sich aber
auch ein an der Oberfläche erkalteter Basaltlavastrom . Außerhalb des engeren Sieben¬
gebirges gibt es nur Basalte , mit Ausnahme einiger Latitstöcke östlich von Bad Honnef und
eines kleinen Trachytgebietes bei Wachtberg - Berkum auf der anderen Rheinseite . Die
Basalte sind oft zu Nordwest streichenden Ketten aufgereiht ; sie liegen wie die Nord west
streichenden Basaltgänge und der Latitgang Rosenau auf Störungen , die sich in das Bruch¬
feld der Niederrheinischen Bucht fortsetzen .
Der Einbruch der Niederrheinischen Bucht und das Aufsteigen der umgebenden Schie -
fergebirgsschollen hat innerhalb der letzten 500 000 Jahre stark zugenommen . Dadurch
wurde der Rhein gezwungen , sich tief einzuschneiden . Er entfernte die Trachyttuffdecke
und legte die Trachyt - , Latit - und Basaltkuppeln frei , welche heute die Siebengebirgsland¬
schaft prägen . An den Hängen hat in den vegetationslosen Kaltzeiten starkes Bodenfließen
stattgefunden , wofür das Felsmeer des Rüdenet unterhalb der Drachenburg ein imposantes
Denkmal ist . Prof . Dr . A . Skowronek vom Institut für Bodenkunde der Universität Bonn
wies auf der Exkursion an mehreren Hanganschnitten auf umgelagerte Partien in Boden¬
profilen hin .
Botanik
Albrecht Krause
Das Siebengebirge bei Bonn wurde ursprünglich von einer Walddecke bekleidet , die nur an
wenigen Stellen durch einzelne Gipfelfelsen , Felswände und kleine Blockhalden unter¬
brochen war . Auch heute noch ist der größte Teil des Siebengebirges bewaldet , doch wurde
— um im Bilde zu bleiben — die Walddecke auf vielerlei Weise „ umgefärbt “ . Fast zur Hälfte
traten Nadelholzbestände an die Stelle des natürlichen Laubwaldes , und selbst innerhalb des
Laubwaldes gab es Veränderungen , indem fremdländische und standortsfremde Bäume ,
etwa Roteiche , Robinie , Berg - und Spitzahorn , verschiedentlich den Platz der einst das Sie¬
bengebirge beherrschenden Rotbuche einnahmen . So ist von dem , was als naturnahe Vege¬
tation eingestuft werden kann , nur noch ein Bruchteil erhalten geblieben , welcher aber die
besondere Aufmerksamkeit auf sich zieht .
Die Exkursion rund um den Drachenfels berührte verschiedene naturnahe Wälder .
Bezeichnend für diese ist der ausgesprochen kleinflächige Wechsel ihres floristischen Auf¬
baus , der den kleinflächigen Standortswechsel widerspiegelt . Ganz charakteristisch dafür ist
der Bestand „ Rüdenet “ .
Herausragende Felsblöcke , flach - und tiefgründige Böden aus unterschiedlichem Aus¬
gangsmaterial bedingen das Nebeneinander von anspruchloseren und anspruchsvolleren
Buchenwaldgesellschaften , hier des Hainsimsen - Buchenwaldes ( Luzulo - Fagetum ) , dort des
Perlgras - Buchenwaldes ( Melico - Fagetum ) . Jeweils dominiert die Rotbuche ( Fagus sylva -
tica ) * ) , regelmäßig ist etwas Traubeneiche ( Quercus petraea ) beigemischt . Doch die Boden¬
vegetation macht mit dem Fehlen oder Vorkommen von Einblütigem Perlgras ( Melica uni -
flora ) und Waldbingelkraut ( Mercurialis perennis ) die Unterschiede deutlich .
* ) Die botanischen Namen folgen E . Oberdörfer , Pflanzensoziologisehe Exkursionsflora , 4 . Aufl . ,
1979 .