praktizierten Methode. Entsprechend der Schnabelfärbung wurden drei Gruppen gebildet, wobei nur adulte Tiere einbezogen wurden, da die Schnabelfärbung der Jungvögel noch nicht ausgeprägt ist. Die Variabilität, Signifikanz und Korrelation der Merkmale wurde mit den üblichen Tests errechnet.
Ergebnisse
Jährliche Unterschiede
Die in den verschiedenen Jahren vermessenen Saatgänse unterscheiden sich in den untersuchten Merkmalen zum Teil signifikant voneinander. Die Variabilität in Schnabelform und -musterung ist aus den Abbildungen 1 und 2 ersichtlich. In den Jahren 1987, 1989 und 1990 überwogen Tiere mit hohem Gelbanteil am Schnabel, 1988 und 1991 solche mit dunkleren Schnäbeln. Gelbschnäblige Gänse sind in der Schnabelform (Höhe, Länge) variabler als dunkelschnäblige. Auch in Flügellänge und in Lauflänge sind sie weniger einheitlich(Abb.3).
Unterarten-Zugehörigkeit
Die Mehrzahl der am Gülper See rastenden Gänse wird feldornithoiogisch zwar der Unterart Anser f. rossicus zugeordnet, doch sie entsprechen nach unseren Messungen nicht dem durch Johansen (1959) für diese Unterart beschriebenen Typus. Die Abweichungen betreffen insbesondere Schnabelform, Lauflänge und das gesamte Erscheinungsbild. Wenn man allein von Schnabelform und -färbe ausgeht, dann überwiegen Gänse mit Merkmalen beider Unterarten.
Gänse, die dem Typus von Anser f. fabalis entsprechen, sind außerordentlich selten. Sie waren gehäuft in einem Fang im Dezember 1972 (Litzbarski, 1974) vorhanden.
Diskussion
Die Ergebnisse unserer Untersuchungen bestätigen, daß mit der Gliederung der westpalaearktischen Saatgänse ein Einteilungsprinzip gefunden wurde (Anser f. fabalis und Anser f. rossicus), mit dem die Realität nur unzureichend erfaßt wird. Die von uns vermessenen Gänse ähneln zwar den von Johansen (1959) für Anser f. rossicus gegebenen Typusbeschreibungen, doch mehrheitlich weichen sie davon ab. Bemerkenswert ist die enorme Variabilität, insbesondere der Schnabelform- und musterung.
Die Befunde deuten darauf hin, daß sich die Rastpopulation an der Unterhavel (Höchstwert 1990 80.000 Ex.) aus Saatgänsen verschiedener geographischer Herkunft zusammensetzt. Gänse mit relativ hohem Gelbanteil am und zumeist auch längerm und dickerem Schnabel sind Übergangsformen zu Anser f. fabalis. Dem Anser f. fabalis- Typus entsprechende Gänse besitzen lange flache Schnäbel.
Insgesamt bestätigen die Ergebnisse die bereits früher vertretene Auffassung, daß die westpalaearktischen Saatgänse morphologisch klinal von Skandinavien (Anser f. fabalis) nach Westsibirien (Anser f. rossicus) variieren. Die bei uns rastenden Gänse stammen mehrheitlich aus dem östlichen Teil der Westpalaearktis.
Literatur
Johansen, H. (1959): Die Vogelfauna Westsibieriens. III (Non-Passeres) 6. Forts. Anseres I.- J.Orn. 100 , 60-78
Litzbarski, H. (1974): Taxonomische und biometrische Untersuchungen an der Saatgans, Anser fabalis (Latham 1787).- Beitr. Vogelkd. 20, 394-411
Helga Liebherr und Prof. Dr. Erich Rutschke, Forschungsstelle für Ökologie der Wasservögel und Feuchtgebiete an der Universität Potsdam, Allee nach Sanssouci, Villa Liegnitz, D-14471 Potsdam
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