Orn.Mitt.Jahrg.45,Nr.11 /1993

Möwenvögel: Eismöwe (Larus hyperboreus)

von Martti Hario

Übersetzung aus dem finnischen Buch "Itämeren Lokkilinnut"

(Möwenvögel der Ostsee) von Mika Asikainen (siehe Orn. Mitt. Nr.2/1992)*)

Kennzeichen und Beschreibung

Kräftig gebaute Möwe mit großem Schnabel, deren Handschwingen in allen Kleidern heller als die Rückseiten und Oberdeckfedern sind. Die größten Individuen sind genauso groß wie große Mantelmöwen, die kleinsten sind kleiner als Silbermöwen und ebenso groß wie die mittelgroße Polarmöwe. Die Eismöwe ist sehr leicht mit der Polarmöwe zu verwechseln. Die Färbung beider Arten ist in einem solchen Maße ähnlich, daß sich die Bestimmung fast allein auf die Unterschiede in Körperbau und Größe stützen muß. Nur im juv. Kleid und im 1. Ruhekleid ist die Färbung des Schnabels bei diesen Arten deutlich verschieden.

Im ad. Brutkleid sind die Rückseite und die Oberseite des Flügels abgesehen von den weißen Spitzen der Arm- und Handschwingen hellgrau, der Schwanz und die sonstigen Körperfedern sind ganz und gar weiß. Am gelben Schnabel befindet sich ein scharlachroter Unterschna­belfleck. Die Beinfärbung variiert individuell; im allg. rötlich bis graufleischfarben.

Im ad. Ruhekleid sind Kopf, Hals, Brust und Seiten in wechselndem Maße mit hellbraunen Streifen und Flecken gezeichnet, und die Färbung der federlosen Partien ist blasser als im BK.

Die Färbung der Polarmöwe ad. und subad. gleicht dagegen fast völlig der Eismöwe.

Die Unterschiede im Körperbau zwischen diesen beiden Arten sind mit denen zwischen Sturmmöwe und Silbermöwe zu vergleichen. Die Eismöwe ist im allgemeinen größer (Vergleiche jedoch oben!) und massiver und hat im Flug längere Flügel. Im Gegensatz zu der verbreiteten Meinung macht die Polarmöwe im Flug einen breitflügligen Eindruck (besonders an der Flügelbasis); die Flügel wirken kürzer und an den Enden mehr abgerundet. Der Kopf der Eismöwe ragt im Flugbild weit vor, zum einen wegen der flachen Stirn und besonders durch die bemerkbare Länge des Schnabels. Der Kopf der Polarmöwe ist mehr abgerundet und der Schnabel ist deutlich kürzer und meistens zierlicher. Die sturmmöwenartige Rundlichkeit und der sanftere und zartere Ausdruck des Kopfes der Polarmöwe sind im Freien der deutlichste Unterschied zur Eismöwe. Auch den Kopf der Eismöwe kann trotzdem je nach Verhältnissen einen rundlichen Ausdruck haben (die Möwen zeigen ihre Gefühle u.a. durch das Spreizen der Stirn- und Scheitelfedern). Auf dem Lande sind gute Unterschiede auch die höheren Beine der Eismöwe und die Kürze der zusammengelegten Flügeln im Vergleich mit der Polarmöwe, das Hinterteil macht einen "gestutzten" Eindruck, wie bei der Mantelmöwe

Ein weiterer Unterschied ist im ad. Brutkleid die hell gelbliche Augenumrandung (rötlich bei Polarmöwe), aber die Färbung der Augenumrandung ist im Freien schwer zu erkennen .

*)Bisher erschienen deutsche Übersetzungen von Stercorarius pomarinus, St. parasiticus und St. longicaudus in Orn.Mitt. Nr. 8/1988, Larus argentatus in Orn.Mitt. Nr. 2/1992 sowie Vorwort und Einführung (Allgemeiner Teil) in Orn.Mitt. Nr. 2/1992 und Nr.2/1993. Während in dem Möwenbuch (Gulls) von P. Grant (1986) nur die Familie Möwen (Laridae) behandelt wird, enthält das finnische Möwenbuch von Hario (1986) auch die Familien Raubmöwen (Stercoraridae) und Seeschwalben (Sternidae).

Gegenüber dem Literaturverzeichnis von Grant mit nur 16 Veröffentlichungen (darunter keine einzige in deutscher Sprache) umfaßt das Literaturverzeichnis von Hario insgesamt 296, darunter auch zahlreiche deutschsprachige (allein 16 aus den Orn.Mitt.).

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