LX

28. u. 29. Station Neustadt und Gimmeldingen.

Neustadt wiederholt im Grossen und Ganzen die geologischen Verhältnisse von Klingen­münster. An dem durch Verwerfungsspalten geradlinig begrenzten Gebirgsrand zeigt sich eine auch topographisch ausgedrückte Stufe der Absenkung einer langen Hauptbuntsand­steinscholle östlich neben Oberrotliegendem etc.; sie bildet eine Reihe von Vorbergen, auf deren südlichstem die Maxburg, auf deren nördlichstem das Haardter Schlösschen steht. Jenseits dieser Abbruchlinie, an welcher nach dem Wolfsbergabhang zu noch eine kleine Scholle von Muschelkalk am nordwestlichen Ende der Stadt eingesunken ist, treten im Speyerbachtal, in den Tälchen von Ober- und Mittelhambach unter dem Oberrotliegenden, das mit Konglome­raten hier eine verhältnismässig geringe Mächtigkeit hat, paläolithische Schiefer vom Alter der Culmformation, die sog. »Nolienschiefer« als Grundgebirge auf, wie wir sie von Weiler bei Weissenburg (vgl. Station Rumbach) erwähnten, wie sie nördlich von Landau bei Hainfeld (südlich von Edenkoben) westlich von Granit aufgeschlossen sind. Bei Oberhambach sind diese Gesteine noch von Quarzporphyr, der auch nördlich von Lindenberg bei Lambrecht die Basis des Oberrotliegenden bildet, überlagert. In allen diesen Aufschlüssen am Haardtrand fehlt also das Unterrotliegende und die Kohlenformation an der ihnen zukommenden Stelle.

Das tertiäre und diluviale Gelände östlich vor dem Gebirgsabfall bietet gegenüber den bei Klingenmünster gemachten Bemerkungen durchaus nichts Neues oder Eigenartiges; nur treten hier die tertiären Meeressande aus unbekannter Ursache nicht auf, während die Cyrenenmergel und Cerithien-Landschneckenkalke hart an den Gebirgsrand sich herandrängen. Wahrscheinlich sind hier tertiäre, prämiozäne Störungen schuld, die wohl auch die Cyrenen­mergel in den Lettengruben bei Haardt stark gefaltet haben.

Der Buntsandstein reicht in den nur wenig abgesenkten Innenschollen des Gebirges südwestlich von Neustadt nach der Kalmit zu und nordwestlich nach der Weinbiet hin bis zur Basis des Oberen Buntsandsteins hinauf, ein Verhältnis, das beim Peterskopf bei Dürkheim in viel stärkerem Masse eintritt; es sind das hier die Vorboten der Annäherung an das Durch- streichen der Muldenachse der Trias, die man etwa durch den Drachenfels hindurchziehen kann; die ungefähr nordöstlich streichende Muldenachse kreuzt nördlich von Dürkheim den nordsüdlich streichenden Abbruchrand des Haardtgebirges.

30. Station Edenkoben.

Edenkoben weist eine ähnliche Lage auf wie das benachbarte Neustadt oder nach der anderen Richtung, nach Süden, zu wie Klingenmünster. Nur ist die Stadt nicht unmittel­bar wie bei den genannten beiden Orten am Gebirgsrand, sondern eine kurze Strecke ostwärts davon gelegen; von der nordsüdlichen Hauptstrasse der Stadt befindet sich der Bahnhof Eden­koben 1 km weit in östlicher Richtung ab und mit seiner Position dürfte sich ungefähr der Mittelpunkt des Stationkreises decken. Vom Bahnhof zum Gebirgsabfall beträgt die Entfernung etwas über 3 km; es greift daher selbst der westlichste Teil der um die Station gezogenen Kreisfläche nicht mehr in das bergige Terrain über, doch darf hier eine kurze Besprechung des Haardtrandes zur Vervollständigung des Gesamtbildes nicht übergangen werden.

Im Gebirge finden wir schon nahe seinem Rande beträchtlich hohe Berge vor. Der Hochberg (632 m) westlich von Edenkoben erhebt sich um 480 m über die Ebene. Die be­nachbarte Grosse Kalmit (683 m), in der Luftlinie 6 km in nordnordwestlicher Richtung vom Bahnhof Edenkoben entfernt, ist bekanntlich die grösste Erhebung im Haardtgebirge. Hier