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PICA, Berlin 11 (1986) S. 2
Bestandsuntersuchungen an der Elster, Pica pica (L.) in drei Berliner Innenstadtbezirken
Von ROLAND LEHMANN, GÜNTER DEGEN und GERHARD JAESCHKE, alle Berlin
Vorwort
In den Jahren 1967-69 wurden von G. DEGEN, G. JAESCHKE und L. RECKIN die Neststandorte der Elster und Nebelkrähe in den Berliner Innenstadtbezirken Mitte, Prenzlauer Berg und Friedrichshain auf einer Fläche von 31,3 km 2 erfaßt. 1982 wurde diese Untersuchung für die Elster unter Anleitung von R. LEHMANN von Schülern der EOS „Käthe Kollwitz" (Prenzlauer Berg) im Rahmen des fakultativen Unterrichts Ökologie wiederholt (AUGUSTIN, HEYDE, HONiSCH und LUDWIG 1983). Ergänzt wurden diese Angaben aus der Beobachtungskartei der Fachgruppe Ornithologie Berlin, durch die Ergebnisse der Rasterkartierungen 1978—82, weitere Bestandserfassungen 1981 in Prenzlauer Berg durch R. LEHMANN und eine 1984 unter Leitung von J. LIPPERT durchgeführte Untersuchung in 12 Parkanlagen.
Fragen der Konkurrenz zwischen Elster und Nebelkrähe werden im Rahmen einer gesonderten Publikation über die Nebelkrähe dargestellt.
Für vielfältige Hinweise und Hilfe bei der Literaturbeschaffung danken wir Dr. Mauersberger, Dr. Stephan und Dr. Wunderlich, alle Berlin.
1. Einleitung
Der relativ schnell entstandene Lebensraum Großstadt wird inzwischen von einer immer größer werdenden Anzahl von Arten „erschlossen"; ein Vorgang, der gewöhnlich als Verstädterung oder Urbanisierung bezeichnet wird, obwohl über den Begriffsinhalt noch weitgehend Unstimmigkeit besteht (OERTEL 1980). Die Elster gehört zu den Vogelarten, die in relativ kurzer Zeit auch die Innenbezirke Berlins besiedelt hat. Allein schon die Geschwindigkeit der Bestandszunahme in den letzten Jahren wirft eine Vielzahl von Fragen auf, die über die bekannte Biologie dieser Art hinausgehen. Die vom Menschen oft als ungewöhnlich empfundenen Neststandorte ließen die Frage aufkommen, ob das Habitatschema dieser Art wirklich schon bekannt ist und die ganze Palette genetisch fixierter Reaktionsnormen auf die unterschiedlichsten Umweltverhältnisse schon erfaßt wurde (vgl. MAUERSBERGER 1971).
Mit der vorliegenden Untersuchung soll die Bestandszunahme der Elster in den Innenstadtbezirken Berlins dokumentiert werden. Gleichzeitig wurden Daten zu den Neststandorten erfaßt, um mögliche dichteabhängige Veränderungen bei der Auswahl der Brutplätze zu erkennen.
2. Historisches
Ältere Literaturdaten sind spärlich, lassen jedoch einige Schlüsse zu. BOLLE (1886)) erwähnt die Art für die Innenstadt folgendermaßen: „Noch steht auf, einer Platane des Lustgartens zu Berlin zwischen Rom und Schloßapotheke ein Elsternest, das bis 1883 besetzt war.“ Demgegenüber nennt SCHALOW (1877) die Elster für Berlin überhaupt nicht. •
Offensichtlich war die Elster einst Brutvogel in der Stadt, wurde jedoch durch zunehmende Bebauung und Verfolgung schon im vorigen Jahrhundert verdrängt.
Es vergingen fast 50 Jahre, bis die Elster als Brutvogel für die mehr inneren Bereiche der inzwischen territorial erweiterten Stadt wieder belegt werden konnte. In O. SCHNURRE’s Tagebuchaufzeichnungen sind Bruten für die Jahre 1929, 1932, 1934 und 1937 am Faulen See (Stadtbezirk Weißensee) vermerkt. K. BANZ (briefl.) erwähnte Brutvorkommen von 1930-33 in Bäumen an der evangelischen Kirche Falkenberger Straße Ecke Klement-Gottwald-Allee, ebenfalls im Stadtbezirk Weißensee. Im Volkspark Friedrichshain stellte er bis 1939 mit Sicherheit keine Elsterbruten fest. Die Art scheint - ähnlich wie in Hamburg - (MULSOW 1963) - erst mit Beginn ^der ,40er Jahre von der Peripherie in die Innenstadt vorgedrungen zu sein.
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