PICA, Berlin 11 (1986) S, 16
Weitere Eisentenbeobachtungen, Clanguia hyemalis (L), in Berlin
Von BERNHARD SCHONERT, Berlin
In der Mitteilung von SCHONERT und SCHULZ (1981) konnten noch nicht folgende, später in die Kartei der FG Ornithologie eingegangene Beobachtungen berücksichtigt werden: Am 2.12.1979 stellte R. NESSING 2 9‘f ar bene Eisenten mit geringer Fluchtdistanz (etwa 8 m) am Seddinsee bei Gosen fest. Für den 23.11.1980 meldete J. KAHNT T Expl. vom Arkenberger Kiessee, und R. UHLIG beobachtete am 30. 11. 1980 3,1 Eisenten am Langen See. Es läßt sich nicht mehr feststellen, ob die am 6. 12. 1980 auf der Spree in Berlin-Oberschöneweide entdeckten 2,1 Eisenten tatsächlich andere Exemplare waren. Nach einer gut dreijährigen Pause wurde diese Art wieder auf dem städtischen Spreebereich festgestellt.
Am 29. 1. 1984 sah der Autor ein ad. (3 im vollständigen Prachtkleid am Rande einer Schar von 300 Tafel- und 160 Reiherenten auf der Spree in der Nähe der Insel Kratzbruch. Der Vogel war voll flugfähig, wies keinen Füßling auf und konnte sowohl beim erfolgreichen Nahrungserwerb als auch bei der Gefiederpflege beobachtet werden. An dem hier nicht überall einsehbaren Spreeabschnitt waren drei Nachkontrollen erfolglos, aber vom 18. bis 26.2. wurde das S wieder an der Insel oder deren Umgebung bis zum Rummelsburger See von vielen Beobachtern gesehen. Später wurde das Eisenten-<5 hier nicht mehr gesichtet, trat aber vom 11. bis 27.3. an der Inselbrücke am Märkischen Ufer auf (Dr. REGLER nach Mitteilung von G. DEGEN). Der Autor beobachtete die Eisente am 24. 3. an diesem neuen Aufenthaltsort und kam auf Grund individueller Gefiedermerkmale des <3 zur Überzeugung, daß es sich um dasselbe Expl. handelte, das sich damit fast 2 Monate an der Spree aufhielt.
Am 17. 12. 1984 entdeckte A. SCHULZ an der Spree bei Berlin-Stralau eine 9-farbene Eisente. Mitte Dezember waren hier u. a. über 130 Tafel-, wenige Reiher- und 4 Bergenten anwesend. Leider wurden zu dieser Eisentenbeobachtung keine Nachkontrollen durchgeführt.
Am 16.3.1985 stellte der Autor eine 9-f Qr kene Eisente an der Liebesinsel fest. Wie sich später herausstellte, hatte TH. TENNHARDT dieses Expl. schon am 26.2. und 2.3. festgestellt. Mitte März hatten sich Tafel- und Reiherenten auf viele gerade wieder eisfreie Gewässer verteilt, auf der Spree bei Treptow waren u. a. noch etwa 80 Tafel- und 20 Reiherenten, 1 Mittel- und etwa 30 Gänsesäger anwesend. Am 23. 3. konnte die Eisente nicht mehr festgestellt werden.
Die mit dem 29. 1. 1984 und 26.2. 1985 beginnenden Beobachtungsserien fielen in eine Zeit, während der die Berliner Seen zugefroren waren. Die Beobachtung vom 17. 12. 1984 lag wie auch die vom 17. 12. 1978 (SCHONERT u. SCHULZ 1981) etwa 1 Woche vor dem Zufrieren der Seen.
Ob die Beobachtungen vom 17. 12. 1984 und 26. 2. bis 16. 3. 1985 möglicherweise dasselbe Individuum betreffen, kann nicht belegt werden. Ich werte die Daten als Beobachtung von 2 Expl., da bei mindestens 7 Exkursionen von Ende Dezember 1984 bis Mitte Februar 1985 kein Nachweis gelang.
Der Treptower Spreeabschnitt ist, sofern er nicht bei strengen Wintern auch der Vereisung unterliegt, ein Aufhaltungsgebiet kleinerer Winterbestände von Reiher- und Tafelenten sowie Gänsesägern. Von den weiteren Taucherentenarten treten am ehesten Schell- und Bergenten auf der Spree auf. Der Aufenthalt von Samt- und Eiderenten ist schon auf wenige Einzelfälle beschränkt, und die Trauerente trat m. E. bisher gar nicht im behandelten Spreegebiet auf. Insofern ist es erstaunlich, daß von der bei uns seltensten Meeresentenart in einem Zeitraum von 7 Jahren 5 Beobachtungen an der Spree gemacht werden konnten, jedoch seit dem Müggelseenachweis vom 26.11. bis 3.12.1961 (GRUMMT 1963) keine weiteren Beobachtungen vom regelmäßig kontrollierten Müggelsee bekannt wurden.
