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OTTO, W., Bestandsaufnahme der Uferschwalbe 1981

Während der Brutsaison 198^ wurden zwei große Kolonien zerstört. Am 30. 5. wurden in einem Graben, in den bereits ein Rohr verlegt war, 72 dem Aus­sehen nach besetzte Röhren gezählt. 102 Brutröhren hatte die Kolonie am 5.7. Bei einer Nachkontrolle am 27. 8. war von der Kolonie nichts zu entdecken. Das Gelände war planiert worden. Eine ähnlich angelegte Kolonie hatte am 20. 6. 103 beflogene Röhren, aus denen vielfach bettelnde juv. zu hören waren. Vor dem 5. 7. war ein breites Rohr einer Erdgasleitung von der Nordseite in den Graben verlegt worden und hatte eine Wand völlig zerstört. Dabei wurden zahlreiche nicht flügge juv. getötet. Nur noch 39 und elf Röhren wurden an der anderen Grabenwand gezählt. Vermutlich waren dabei bereits frisch ge­grabene Röhren dabei. Am 27. 8. war diese Wand durch Baggerarbeiten eben­falls zerstört.

In anderen Fällen wurden kleine Kolonien von sechs bzw. zehn Röhren nach der ersten Brut wegen Störungen aufgegeben. Ein Schwarzerdehaufen, in dem sich am 5.7. 53 Röhren teilweise mit brütenden Vögeln befanden, wurde am 1.8. eingeebnet. Wie sich aus den Umständen ableiten ließ, war diese Arbeit län­gere Zeit verschoben worden.

Diese Schilderungen zeigen, welchen Gefährdungen die Brutkolonien innerhalb des Baugeländes ausgesetzt sind. Durch gezielte Aufklärung im Bereich des Tiefbaues über diese Kolonien ließen sich die Verluste durch Verlagerung be­stimmter Arbeiten sicher verringern. Andererseits müßten störungsarme Stand­orte geschaffen werden, die die Uferschwalben zur Koloniebildung annehmen. In jedem Fall ergeben sich lohnende Aufgaben für Naturschutzmitarbeiter.

Nicht nur anthropogene Einflüsse führen zur Aufgabe der Kolonie oder zum Brutverlust. Die Kolonie an den Klärbecken N Falkenberg wurde aufgegeben, nachdem sie zugewachsen war, was in einzelnen Fällen auch auf andere Brut­plätze zutraf. Durch tierische Prädatoren ausgegrabene Einzelröhren wurden in verschiedenen Kolonien beobachtet.

Nach dem Wegzeug der Uferschwalben sind weitere Kolonien infolge ver­schiedener Maßnahmen, im wesentlichen aber durch Tiefbauarbeiten, ver­schwunden.

Der Verlust der Brutkolonien muß nicht zum Abwandern von Brutvögeln führen, wie sich an einem ad <3 nachweisen ließ, das im jahre 1981 am Schlafplatz im Wartenberger Luch kontrolliert wurde. Es war als ad. Expl. 1979 vor einer Brutkolonie direkt neben dem S-Bahnhof Springpfuhl beringt worden. Aus dem Zeitraum vor den Baumaßnahmen in Marzahn gab es allerdings einen anderen Beringungsfund. Ein diesjähriges Expl. war 1973 vor der Brutkolonie am Klär­becken der Marzahner Werkzeugmaschinenfabrik beringt worden. Durch Um­gestaltung der Klärbecken wurde dieser Brutplatz im nächsten Frühjahr zer­stört. Im Jahre 1974 wurde dieses Expl. als ad <3 vor einer Brutkolonie im Süden von Schweden kontrolliert. In jenen Jahren war in Weißensee bzw. Marzahn nur noch eine kleine Kolonie in der Sandgrube am Ahrensfelder Berg bekannt. Trotz der sich im Verlaufe einer Brutsaison ergebenden einschneidenden Ein­griffe in den Brutablauf sind für die Uferschwalbe in den kommenden Jahren neue Ansiedlungsmöglichkeiten gegeben.

Zusammenfassung

Die Erfassung an den Uferschwalbenbrutplätzen im Jahre 1981 ergab 1200 Brut­röhren in 27 Kolonien mit einer durchschnittlichen Anzahl von 44 Brutröhren/ Kolonie. 45% der BR waren in Sandgruben, 33% in Gräben bzw. Baugruben und 22% in Schwarzerdehaufen angelegt.

Auf das MTB 3346 bezogen wurden 360 BR/100 km 2 und auf das MTB 3447 590 BR/100 km 2 ermittelt.