vaten, amtlichen und wissenschaftlichen Vogel­schutzes. Auf der 54. MV im Frühjahr 1992 wurde bestätigt, daß der NABU der deutsche Vertreter im IRV (BirdLife International) werden soll, vorbehalt­lich einer vertraglichen Regelung der zukünftigen Beziehungen und Zusammenarbeit zwischen DRV und NABU. Dieser Vertrag wurde im Herbst 1992 besiegelt (s. u.).

Eine Übersicht der wichtigsten Veränderungen seit 1923 gibt Tab. 4, und die in dieser Zeit aktiven Vorstandsmitglieder sind in Tab. 5 aufgeführt.

Bei kritischer Betrachtung der derzeit erneut of­fenkundigen politischen Prioritäten muß man an die­ser Stelle feststellen, daß sich trotz der gemeinsamen Arbeit der amtlichen und privaten Natur schütz ver­bände über die Jahre nicht genügend verändert oder zum Besseren gewendet hat. Es ist zwar nicht so, daß in den letzten 70 Jahren keine Erfolge zu verzeichnen gewesen wären, aber man kann die Augen nicht davor verschließen, daß es mit den der DS gegebenen Strukturen und finanziellen wie politischen Mitteln oft kaum möglich war, mehr zu sein als ein Rufer in der Wüste. Die DS hat aller­dings einen erheblichen Anteil daran, daß die Arbeit im Vogelschutz national stärker gebündelt und so einer Zersplitterung infolge der Naturschutzkompe­tenzen der Bundesländer entgegengewirkt wurde. Entscheidende Auswirkungen hatten die Anstren­gungen der DS z. B. im Bereich der Avifaunistik, die dem DDA eine wichtige Arbeitsbasis schuf.

Es ist auch und gerade der wirksamen Arbeit der DS zu verdanken, daß der Vogelschutz in Deutsch­land einen höheren Stellenwert hat als vor 70 Jahren. Schließlich waren es in manchen konkreten Fällen nicht zuletzt ihre Aktivitäten, die zu Veränderungen in der naturschutzpolitischen Landschaft beitrugen. So ist festzustellen, daß die DS keinen geringen An-

Tab. 4: Zur Geschichte des Deutschen Rates für Vogel­schutz

1922 Gründung des "International Committee for Bird Preservation" ICBP

1923 Gründung der Deutschen Sektion des ICBP

1958 Umbenennung des ICBP in "International Council for Bird Preservation"

1958 Umbenennung der DS in "Deutsche Sektion des Internationalen Rates für Vogelschutz" DS/IRV

1992 Umstrukturierung und Umbenennung des ICBP zu "BirdLife International"

1992 Abtrennung des DS/IRV vom internationalen Verband, nationale Vertretung von BirdLife International durch NABU

1993 Umbenennung des DS/IRV in "Deutscher Rat für Vogelschutz DRV

teil daran hatte, daß die Vogeljagd in Deutschland, insbesondere die Jagdzeiten für Greifvogelarten, be­schränkt wurde und rein jagdlich orientierte Institu­tionen an naturschutzpolitischem Einfluß verloren. Die Verleihung des Titels "Europareservat" für be­sonders gut geschützte Naturschutzgebiete hat sich als eine sehr wichtige Maßnahme erwiesen, die häu­fig eine Intensivierung der Schutzbemühungen in ei­nigen unserer sensibelsten Feuchtgebiete zur Folge hatte (z.B. Erz 1972b). Man kann schließlich von einem politischen Erfolg sprechen, daß 1971 in Zusammenarbeit mit dem DDA das Instrument der Roten Liste in Deutschland eingeführt und bis heute - in Zusammenarbeit mit dem DDA - fortgeschrie­ben wurde (DDA & DS/IRV 1971,1991).

Weit weniger erfolgreich waren dagegen zahl­reiche Resolutionen, die negative Zustände anpran­gerten und Verbesserungsvorschläge enthielten, von denen die Politik jedoch nur herzlich wenig zur Kenntnis nahm. Typische Beispiele sind Resolu­tionen gegen Entwässerungen und Flußbegradigun­gen, den Vogelhandel, die Einschränkung der Vogeljagd in anderen EG-Ländern, für die Einfüh­rung des Klagerechts für Naturschutzverbände etc. Und auch die schon erwähnte Rote Liste ist zwar ein häufig genutztes Instrument, ihr Naturschutzeffekt scheint jedoch gering zu sein, denn die letzte Fas­sung von 1991 zeigt, daß sich trotz einem weitverbreiteten geänderten Bewußtsein für die meisten Vogelarten unseres Landes nichts zum Gu­ten gewandelt hat (DDA & DS/IRV 1991). Das gilt auch und gerade für den Weißstorch, der 1960 von der DS zum Deutschen Nationalvogel gekürt wurde (Drost 1961). Denn die wenig erfreuliche Entwick­lung der Weißstorchbestände - mit Ausnahme der letzten beiden Jahre und der Ansiedlung von Volie­renstörchen ab - dokumentiert sehr eindrücklich (Klatt 1993), daß die Politik unserer Tage mit den Mitteln der DS nicht entscheidend zu beein-flussen war, insbesondere da andere Interessengruppen gleichzeitig wesentlich wirksamere Mittel einsetz­ten. Es hat sich also kaum etwas geändert: der Spielraum des Natur- und Umweltschutzes geht da verloren, wo er wirtschaftliche Interessen ein­schränkt, wie Thielcke schon 1977 formulierte.

Dies ist einer der Gründe warum nationale und internationale Verbände inzwischen verstärkt auf hauptamtlichen Naturschutz und vor allem auf inten­sive Lobbyarbeit setzen. Diese arbeits- und zeit­aufwendige Methode der Einflußnahme auf die Po­litik kann nur von großen mitgliederstarken Verbän­den geleistet werden. Für den ICBP war es unum­gänglich, sich auf stabilere Beine zu stellen, um für