Avifauna von Hessen

zerstreute Einzelvorkommen erkennen. Bei dieser hinsichtlich der Vermehrung und Ausbreitung, aber auch des wiederkehrenden Zusammenbruchs von Teilpopula­tionen offenbar dynamischen Art erscheint nachfolgender Rückblick angebracht: le Roi (1906) erwähnt am Rande Nachweise für Hessen:Darmstadt, Kaup 1836 und Michaelis 1898, ohne jedoch die herangezogenen Arbeiten beider Autoren in seiner Bibliographie aufzuführen, und erörtert bereits eine mögliche Beziehung der von ihm bearbeiteten Feststellungen zum holländischen Brutvorkommen aufgrund eines einschlägigen Berichtes aus dem Jahre 1885. Sunkel (1926) zählt die Bartmeise zu dengrößten Seltenheiten in Hessen, zitiert im einzelnen Preuschen bezüglich eines 1853 bei Offenbach gesammelten Paares und führt ein im Museum Darmstadt aufbewahrtes weibliches Individuum an, das vom Rheinufer bei Mainz stamme. Die spätere Einschätzung von Gebhardt & Sunkel (1954) für Hessen lautetvon jeher so gut wie unbekannt. Dort werden Sunkels frühere Angaben dahingehend abgewandelt, daß das bereits erwähnte Präparat einer weiblichen Bartmeise (ohne Datum) im Museum Wiesbaden aufbewahrt werde (Fußnote:schon von Römer 1863 erwähnt) und daßein Urteil über den Grad der Zuverlässigkeit der Angaben von Preuschen nicht mehr möglich sei. Auch Gebhardt & Sunkel erwägen trotz spärlicher Feststellungen schon damals einen denkbaren Zusammenhang mit dem Brutvorkommen in Holland sowie mit der Gewohnheit des Vogels, weit umherzuschweifen. Neue Belege für den Zeitraum 1926 bis 1954 führen sie nicht auf.

In Hessen setzen ebenso wie in Rheinland-Pfalz (Mildenberger 1984 und Bossel­mann et al. 1998) seit 1965 vermehrt Meldungen über Beobachtung und Beringung von Bartmeisen ein. Dies wird auf eineMassenausbreitung im Jahre 1965 zurückgeführt, weil nach einemgewaltigen Anstieg der niederländischen Brut­population in den großen Schilfgebieten der Ijsselmeerpolder dort durch die Umwandlung von etwa 50 % der Schilfflächen in Ackerland ein Großteil des Bruthabitats verlorengegangen ist (Mildenberger 1984, auch Glutz von Blotz- heim & Bauer, Bd. 13, 1993, und Hölzinger 1997). Aus Thüringen dagegen sind erst seit 1975 Beobachtungen verzeichnet (v. Knorre et al. 1986). Ein verstärktes Wiederauftreten von Bartmeisen in Hessen seit 1992 schließlich mag sich darüber hinaus in Zusammenhang bringen lassen mit der Meldung über einedeutliche Erholung mit vermutlich dem höchsten Brutbestand seit über 10 Jahren 1992 in Norddeutschland (Busche & Berndt 1994).

Dem Bearbeiter liegen 74 Nachweise von insgesamt (mindestens) 446 Individuen (100%) an 29 verschiedenen Plätzen Hessens (davon rund zwei Drittel Naturschutzgebiete) zugrunde. Die meisten Meldungen stammen von 16Brenn­punkten (davon 10 Naturschutzgebiete) in den Flußniederungen von Rhein und Main einschließlich der Wetterau (327 Ind. = 73 % aller beobachteten Tiere), ferner von Gebieten an der Fulda und im Bereich von Fahn und Ohm (60 Ind. = 14%). Die Höhenlage dieser Gebiete bewegt sich zwischen etwa 85 und 200 m ü. NN. Dort

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