und weiter südwärts, in der Rochlitzer Gegend, tritt der letztere das Pflegeramt völlig oder zum mindesten nahezu völlig an andere Arten ab; weder HEYDER und WEISSMANTEL noch ich haben hier jemals einen Kuckuck im Würgernest nachweisen können. Dabei sind von mir Hunderte von Würgernestern daraufhin kontrolliert worden. Nach meinen Erfahrungen werden hier Gartengrasmücke und Weiße Bachstelze die bevorzugtesten Pfleger. In der Dresdener Gegend dagegen scheint dem Würger wieder ein größerer Anteil an der Aufzucht des Kuckucks zuzukommen; es werden von hier eine Anzahl Funde in Würgernestern gemeldet und sind z. T. auch in Belegen (Sammlung HANTZSCH usw.) vorhanden. Dagegen ist die Annahme MAYHOFF und SCHELCHER'S von einem größeren Anteil des Würgers an der Brutpflege des Kuckucks in Moritzburg³ ) eine irrtümliche, hier versehen das Pflegeramt in erste Linie der Teichrohrsänger und die Gartengrasmücke, vielleicht auch die Weiße Bachstelze.
Diese beiden letzten Arten dürften in Sachsen überhaupt viel verbreiteter, als der Kotrückige Würger es ist, als Pflegevögel des Kuckucks in Frage kommen; sie versehen das Pflegeramt und sind an der Aufzucht des Kuckucks überall dort beteiligt, wo sie selbst vorkommen.
Die Gartengrasmücke, Sylvia borin Bodd., wird als Kuckuckspfleger zunächst aus der Leipziger Gegend genannt und ist mir in der gleichen Eigenschaft auch aus dem gesamten mittleren Westsachsen bekannt geworden; sie tritt als Brutpfleger dann wieder in der Dresdener Gegend auf und ist in Moritzburg sogar sehr stark an der Aufzucht des Gauchs beteiligt. Schließlich wird sie dann auch noch aus der Lausitz als Kuckuckspfleger genannt. Wenn aus weiten Gegenden Sachsens nun auch Mitteilungen über ihren Anteil an der Kuckuckspflege noch nicht vorliegen, so erklärt sich das m. E. lediglich aus dem gänzlichen Fehlen aller hierh.er gehörenden Beobachtungen aus diesen Gegenden überhaupt, nicht aber etwa aus einer Nichtbeteiligung der Art an der Kuckuckspflege.
Ueber die Weisse Bachstelze, Motacilla alba L., als Pflegevogel des Kuckucks liegen, wenn man die systematischen Beobachtungen REY'S aus der Leipziger Gegend unberücksichtigt lässt, wohl die meisten Einzelbeobachtungen vor. Die überwiegende Mehrzahl aller in den Jber. mitgeteilten Fälle beziehen sich auf unsere Art und ebenso auch betreffen die meisten der mir mündlich oder biieflich gemachten Angaben die Bachstelze. Es liegt das allerdings in erster Linie wohl darin begründet, dass die Weisse Bachstelze besonders häufig an oder in der Nähe der menschlichen Wohnungen oder an menschlichen Arbeitsstätten
³ ) MAYHOFF und SCHELCHER, Beobachtungen im Gebiet der Moritzburger Teiche. Ornith. Mschr. 40, 1915, 268 flg.

