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Betrachten wir am Schlusse unserer Darstellung zurückschauend nochmals unsere Kenntnisse über das Vorkommen der Graugans in der Oberlausitz, so können wir dies mit den Worten tun, dafs die Art in der Vergangenheit vielleicht etwas häufiger, aber, soweit uns gesicherte Mitteilungen darüber überliefert worden sind, nie besonders zahlreich vorgekommen ist— die durch Ortsangaben erhärteten Nachweise beziehen sich immer nur auf einzelne oder einige wenige Paare — und daß die Art auch in der Gegenwart noch zu den Brutvögeln der Oberlausitzer Niederung zählt, aber ebenfalls nur zerstreut und in geringer Häufigkeit und wohl auch etwas unregelmäßig vorkommt.
Die von PAX in seiner Wirbeltierfauna Schlesiens (Fig. 16) entworfene Südgrenze der Art erfährt nach unseren vorstehenden Untersuchungen eine Aenderung; sie biegt östlich Görlitz nicht nach NW um, sondern verläuft zunächst noch in westlicher Richtung, um sich erst in der nördlichen Nachbarschaft von Königswartha (Sachsen) nach Norden zu wenden und Anschluß an die Südwestgrenze der Art in Brandenburg zu suchen.
Anmerkung. Nach der Niederschrift vorstehender Mitteilungen erfahre ich noch von Freund WEISSMANTEL, daß nach ihm gemachten, zuverlässigen Angaben die Graugans in einigen Paaren auch auf dem hart an der Grenze der Oberlausitz gelegenen, jedoch schon zur Provinz Brandenburg gehörenden Skyro- Teich bei Niemtsch genistet hat und dort erst verschwunden ist, als der Teich infolge des Kohlenabbaues nach der Jahrhundertwende trocken gelegt wurde. Freund WEISSMANTELs Gewährsmann hat selbst Eier der Art gesammelt und durch Hausgänse ausbrüten lassen.
Anthus cervinus Pall. seltener Durchzügler bei Leipzig?
Von Hans Kummerlöwe, Leipzig
Am 18. März 1927 gegen 5 Uhr Nachm. machte ich am Ende einer ornithologischen Exkursion durch die bekannten Gundorfer Ausstichlachen auf dem Wege von diesen zur Ortschaft Gundorf folgende Beobachtung:
Auf dem weiten rechterhand gelegenen Ackergelände verhörte ich mehrmals deutlich den unverkennbaren Lockton des Rohr- ammers, vermischt mit dem etwas leiseren charakteristischen „ist ist ..." von Anthus pratensis. Durchs Glas konnte ich etwa 8—10 Exemplare feststellen, die eifrig hin und her liefen und auf dem unebenen Boden kaum zu fixieren waren. Als dieser Schwärm durch weitere 5—7 von der linkerhand des Weges liegenden, z. T. bruchschollen artigen Wiese kommende Exemplare verstärkt wurde, hob sich in dem allgemeinen „ist ist .." der charakteristische rohrammerartige Lockton, etwa 15 Mal ausgestoßen, mit kürzeren und längeren Pausen, besonders scharf und deutlich
