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ab. Leider konnte ich, trotzdem ich längere Zeit durchs Zeißglas suchte, das betreffende Tier aus dem unruhigen Völkchen nicht herausfinden, und als ich mich vorsichtig näherte, schwirrte der ganze Schwärm in Richtung Bienitz soweit ab, daß ich ihm selbst mit dem Zeißglas nicht mehr folgen konnte. Genaue Durchmusterung des ersten Standortes und die nächsten 10 Minuten belehrten mich, dafs das rohrammerartig lockende Exemplar mit abgeflogen war. Beim Kontrollgang über die linkerhand gelegene Wiese konnte ich noch einen Schwarm von etwa 50—60 ebenfalls recht scheuer (auf Helgoland hatte ich sie während des Herbstzuges 1926 oft ungemein vertraut gefunden) Anthus pratensis feststellen, der sich beim öfteren Auftreiben (anschließender Wald verhinderte wohl ein weiteres Wegfliegen) als nur aus Tieren dieser Art bestehend erwies. Da mir die Gemeinschaft eines Exemplares Emberiza schoeniclus mit einem Schwarm Anthus pratensis ganz unglaubhaft erschien, kontrollierte ich sofort anschließend die mir erreichbare Literatur und stieß in VO IGTs Ex kursionsbuch (8. Aufl.) auf S. 109 auf folgende Stelle: „Mehrfach wurden in ihrer Gesellschaft [von A. pratensis] im Herbste rotkehlige Pieper (A. cervinus Fall.) beobachtet, neuerdings von Natorp bei Myslowitz, von Döbbrick in der Tucheier Heide und vom "Verfasser in Kohlfedern westlich von Garde (Hinterpommern). Sie fielen uns auf durch Rufe wie djie (NATORP) oder twihe (DOBBRICK), die sehr an den Lockton des Rohrammers erinnern. Ein Vergleich der Abbildungen im NAUMANN, im FRIDERICH und Monatsschrift 1908, Tafel 9 ergibt recht wenig Uebereinstimmendes; den Feldornithologen muß daher ein genaues Studium der rohrammerartig rufenden Pieper dringend empfohlen werden". Demnach kann ich nur annehmen, ein Exemplar dieses für uns so seltenen Durchzüglers vor mir gehabt zu haben; in der Darstellung des Locktones möchte ich mich ganz NATORP anschließen. Da ein exakter Beweis unter der Ungunst der Bodenverhältnisse wie auch der großen Scheu der Tiere wegen leider nicht möglich war (der exakteste würde natürlich die Erlegung sein), sollen diese Zeilen wenigstens zur genauesten Durchmusterung der durchziehenden Pieper-Verbände anregen und damit eine nachträgliche Unterstreichung der VOIGTschen Mahnung darstellen!
Anmerkung. Für Anthus cervinus erscheint das Beobachtungsdatum ein allerdings etwas sehr frühes; soweit ich augenblicklich im Bilde bin, entfallen die über den Vogel sonst mitgeteilten Durchzugsdaten auf eine spätere Zeit (Mai). Immerhin dürfte die Beobachtung beachtlich genug sein, um zum mindesten als Anregung zu dienen. Den völlig einwandfreien Nachweis vermag in solchen Fällen — worauf ja auch schon Kummerlöwe hinweist — eben nur die Erlegung des in Frage kommenden Tieres zu liefern. Der Herausgeber.
Druck von Otto Dornblüth Nachf. in Bernburg.
