Die Pflanzengesellschaften des Naturschutzgebiets
„ Klamm und Kastlhäng " im Altmühltal
von
Fritz Runge , Münster ( Westf . )
Zu den landschaftlich reizvollsten und vegetationskundlich interessantesten Naturschutz¬
gebieten der südlichen Frankenalb dürfte das große Schutzgelände „ Klamm und Kastlhäng "
im unteren Altmühltal gehören . Das 252 ha umfassende , 1969 durch eine Landesverordnung
gesicherte Gebiet liegt im Bereich des Meßtischblattes 7036 Riedenburg in den Gemarkungen
Buch , Prunn und Riedenburg sowie im gemeindefreien Hienheimer Forst . Eigentümer ist die
Bayerische Staatsforstverwaltung . Ein kleinerer Teil befindet sich im Privatbesitz .
Die Vegetation des Naturschutzgebiets wurde bisher kaum untersucht . Daher benutzte ich
einen dreiwöchigen Aufenthalt während des Sommers 1975 in Riedenburg dazu , im Gebiet
pflanzensoziologische Aufnahmen zu machen . Für wertvolle Hinweise bin ich den Herren
Oberforstmeister W . Caspary vom Forstamt Riedenburg und F . Lindner vom Landratsamt
Kelheim zu großem Dank verpflichtet .
Wer das am Hang des rechten Altmühltales gelegene Naturschutzgebiet von weitem , etwa
von der Straße Riedenburg - Essing aus betrachtet , gewinnt den Eindruck , daß es sich um einen
von Nadelhölzern durchsetzten Buchenwald handelt , aus dem mehrere weißliche Juraklippen
steil aufragen . In Wirklichkeit lassen sich jedoch verschiedene Pflanzengesellschaften un¬
schwer unterscheiden . Sie seien nachfolgend kurz geschildert und mit je einer soziologischen
Aufnahme belegt . Einige der Assoziationen dürften aus Bayern bisher noch nicht beschrieben
sein .
Die Waldgesellschaften
Fast den ganzen unteren Hang des Schutzgebiets nimmt ein Wald ein , den Seibert ( 1968 )
und mit ihm Künne ( 1969 ) und Killermann ( 1972 ) als Platterbsen - Buchenwald bzw . als Hang -
Buchenwald ( Lathyro - Fagetum Hartm . 1953 ) bezeichnen . Es handelt sich um den Wald¬
meister - Buchenwald ( Asperulo - Fagetum Theo Müller 1966 ) bzw . den Bingelkraut -
Buchenwald ( Mercuriali - Fagetum ( Fukarek 1951 ) Hofm . 1965 ) . Der Name „ Platterbsen -
Buchenwald ( Lathyro - Fagetum ) " ist vielleicht nicht ganz glücklich gewählt . Aus dem
deutschen und lateinischen Namen geht nämlich nicht hervor , ob es sich um die Frühlings¬
platterbse ( Lathyrus vernus ) , um die Schwarzwerdende Platterbse ( Lathyrus niger ) oder die
Bergplatterbse ( Lathyrus montanus ) handelt . Andererseits kommt die gemeinte Frühlings¬
platterbse im Walde gegenüber dem Waldmeister und dem Bingelkraut relativ selten vor .
Darüber hinaus tritt die Frühlingsplatterbse auch in anderen Waldassoziationen , beispiels¬
weise im Eichen - Elsbeeren - Wald ( Lithospermo - Quercetum ) und im Lindenmisch¬
wald ( Aceri - Tilietum ) gehäuftauf .
Im „ Moosbauerholz " des NSG , 2 km ostsüdöstlich von Riedenburg und 1,5 km westlich von Prunn .
15 . 8 . 75 , ca . 200 qm ( einheitlich ) . 360 m ü . d . M . Expos . N 18 ° ( gemessen ) . Hochwald . Buchen etwa 25 m
hoch , ca . 60 Jahre alt . Fichten ca . 25 m hoch , etwa 40 Jahre alt . Auf 2 cm Laubstreu über fast schwarzem ,
gut gekrümeltem , stark humosem Lehm als Verwitterungsprodukt des Malms :
Baumschicht ( Bedeckung 95 % ) : Fagus sylvatica 5 , Picea abiesl , Abies alba + ° .
Strauchschicht ( Bed . 5 % ) : Fraxinus excelsior 1 , Acer pseudoplatanus 1 , Fagus sylvatica + , Acer
platanoides r , Acer campestre r , Daphne mezereum r .
Krautschicht ( Bed . 90 % ) : Mercurialis perennis 3 , Lamiastrum galeobdolon 2 , Galium odoratum 1 ,
Oxalis acetosella 1 , Hedera helix 1 , Asarum europaeum 1 , Campanula trachelium + , Milium effusum + ,
Viola reicbenbachiana + , Brachypodium sylvaticum + , Galium sylvaticum + , Melica nutans + , Fagus
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