grundlegenden Tatsachen zu sammeln, den Wellen zu folgen, die alljährlich aus den polaren Gebieten äquatorwärts und umgekehrt fluten. Die Aviphaenologie, die Kunde von der Erscheinung der Zugvögel, ist die erste Aufgabe. Ihr sichtbarer Ausdruck ist der Zugskalender, den man entweder für einzelne Gebiete mit allen Arten oder für einzelne Arten im ganzen Ver­breitungsgebiet anstreben muß, in vollkommener Weise nur nach Verarbeitung lückenloser, genauer Zahlengrundlagen aus einer größeren Reihe von Jahren. Ich glaube kaum, daß es einen Ort gibt, für den dieses Material in dem ganzen notwendigen Umfang besteht. Seine Beschaffung setzt eine höchst zielbewußte, jahre­lang wirkende Arbeit voraus. Verhältnismäßig einfach ist sie in einem kleinen, ökologisch ganz erfaßbaren und abgeschlossenen Gebiet mit geringer, gut bekannter Brutvogelwelt wie für die Insel Helgoland, deren Zugskalender auf Grund der freilich sehr unge­nauen GÄTKE schen Daten und eigener Sammlungen jetzt von H. WEIGOLD i n graphischer Darstellung herausgegeben wird. Anderswo wird ein täglicher Rundgang von bleibender und be­kannter Länge vergleichbare Zahlen schaffen (wie für Rossitten der Gang Rossitten-Möwenbruch-Vogelwiese, zur Ueberprüfung des Zugs der Enten- und Schnepfenvögel, die ja an den reinen Durch­gangsstellen wie Ulmenhorst als Nachtzugvögel kaum wahrge­nommen werden können). Während man bei einer solchen Durch­forschung eines einzelnen Ortes natürlich Anspruch auf die Ein­beziehung aller Arten erhebt, muß man bei der entsprechenden Bearbeitung großer Gebiete sich wohl immer auf gewisse Arten beschränken, da das etwa zur Verfügung stehende Beob­achternetz bei noch so guter Schulung der Einzelkräfte wohl nie an allen Punkten über die nötigen Sonderkenntnisse verfügen wird; auch dürfte es kaum gelingen, die zur wahren Vergleichung der Einzelzahlen notwendigen Pflichtstunden und Pflichtgänge zu bewirken, so daß das Bestmögliche vorläufig noch lange nicht das Ideale sein wird. Trotzdem sind auf diesem Wege in einigen Ländern (Ungarn, Oesterreich, Schweiz, Bayern, England, Nord­amerika usw.) schöne Erfolge erzielt worden. Das Kgl. Ungarische Ornithologische Institut (O. HERMAN, J. SCHENK), deren Beobachter­netz mit vor dem Kriege 120 bis 150 geschulten Kräften seit etwa 40 Jahren phaenologisch arbeitet, steht unbestritten an der Spitze. Durch die jährlich in der Aquila erfolgte Bearbeitung der Daten kennen wir die Besiedlungsfolge in Ungarn (vorwiegend: grofse Tiefebene Hügelland jenseits der Donau östliches, dann nördliches Bergland), kennen die Abweichungen der ein­zelnen Arten und besitzen Material über die Durchzugsstärke an verschiedenen Orten, so dafs also auch die Verteilung des Zugs erforscht werden kann. Es fehlt nun noch eine zusammenfassende Bearbeitung der gesamten Daten für Ungarn, an deren Erfolg nicht gezweifelt werden kann. Wir müssen es uns versagen, auf