15,4 1950

Kramer, Heimkehrleistungen italienischer u. deutscher Reisetauben

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Annäherung an das mögliche Ideal eigentümlich sein muß. Dadurch wird ein gewisses Maß von Gleichwertigkeit erreicht.

Faktorengruppe 2: Es ist von vornherein klar, daß der Wind eine große Rolle für die Heimkehrleistungen der Tauben haben muß. Nur durch Windwirkung lassen sich so erhebliche Abweichungen von der mittleren Heimkehrschnelligkeit nach oben erklären, wie sie sich besonders in Abb. 2 vorfinden, nämlich bis gut 1700 m/min, ja in einem Fall 1880 m/min (= 113 km/h!).

Die Rolle des Windes als wesentlichen Faktors für die Streuung der Heimkehr­schnelligkeiten wird dadruch bestätigt, daß das italienische Diagramm viel straffer geordnet ist. Im ausgeglichenen Sommerklima des Mittelmeergebiets gibt es eben viel weniger Wind ¹ ).

Nun zur Besprechung der Lage der Mittelwerte, die wir auf Abb. 1 durch eine Ausgleichskurve verbunden haben. Die dringliche Frage ist die, inwieweit diese Kurve die tatsächliche Fluggeschwindigkeit der Brieftaube widergibt. Folgende Feststellungen sprechen dagegen, daß man aus Heimkehrzeit, Strecke und Wind­daten selbst bei den Spitzentauben einfach die Fluggeschwindigkeit errechnen darf: Wenn man den Abflug fern vom Schlag aufgelassener Brieftauben beobachtet, so stellt man fest, daß sie nicht völlig geradlinig, sondern in unregelmäßigen Wellen­linien um eine Mittelgerade fliegen. Die Abweichungen nach rechts und links sind je nach Taube und Umständen verschieden, seien aber näherungsweise mit 20 m angegeben. Darüber hinaus fliegen viele Tauben noch innerhalb des Sichtbereichs (bei einer Einzeltaube unter günstigen Beleuchtungs- und Sichtverhältnissen mit 8- oder 10-fachem Feldstecher : etwa 2 km) einen oder auch mehrere Kreise, die jedoch nicht zur Richtungsänderung führen, da die alte Richtung regelmäßig wie­der aufgenommen wird. Gruppen zeigen vermindertes Pendeln und geringere Nei­gung zum Kreisfliegen. Es besteht nun zwar Grund zur Annahme, daß die Flug­bahn sich später streckt, aber es ist unwahrscheinlich, daß sie sich völlig glättet. Es kommt hinzu, daß man nach unseren Erfahrungen mit einigem Zeitverlust beim Überfliegen von Städten rechnen muß. Wir nehmen also an, daß auch die Spitzen­tauben, deren Leistungen uns ja allein als Unterlage dienen, ihr Ziel nur in ange­nähert geradlinigem Flug erreichen, und daß infolgedessen die eigentliche Flugge­schwindigkeit der Reisetaube etwas höher liegt als unsere korrigierte Mittelkurve in ihrem unteren Bereich, nämlich etwa bei 1100 m/min = 66 km/h.

Die dritte Eigenschaft der Kurve, die besprochen werden soll, ist ihr Verlauf in Richtung geringerer Heimkehrschnelligkeit in ihrem oberen Bereich. Es über­rascht natürlich nicht, daß bei Langstrecken durchschnittlich geringere Heimkehr­schnelligkeiten erzielt werden als bei Kurzstrecken. Wenn man einmal annimmt, daß die Abweichung der tatsächlich durchflogenen Strecke von der Bodendistanz in einem einfachen Verhältnis zu letzterer steht, so bleiben noch zwei Möglichkeiten: Unter­brechung des Fluges und Nachlassen der Fluggeschwindigkeit. Beides dürfte mit­spielen, vielleicht die in mehr Fällen eingelegten Flugunterbrechungen in stärkerem Maße. (Wir halten es aber für wahrscheinlich, daß auch über ganz lange Strecken Ohne-Halt-Flüge vorkommen.)

Die Heimkehrschnelligkeiten (Definition: Fußnote S. 237) deutscher und italienischer Brieftauben werden als Funktion der zugehörigen Flugstrecken graphisch dargestellt. Die Streuung der deutschen Einzelwerte ist erheblicher als

¹ ) Eine weitere Analyse der Extremwerte von Abb. 2 wurde in Zusammenarbeit mit Herrn Prof. Seil köpf vom Meteorologischen Amt für Nordwestdeutschland vorgenommen; vgl. anschließenden Artikel.

Zusammenfassung

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Drost und Schüz, Die V oge lwarte.