SCHIMMEL: Neue Procraerus-hxttn sowie eine neue Art aus der neuen Gattung Martiniana carinata n. gen. et n. sp. aus Südost-Asien

Einleitung

Die Arten der Procraerus-Gruppe haben sich in der Arktogaea ausgebreitet. Mit nur einer Art in Mitteleuropa vertreten (P. tibialis), steigert sich nach Südosten die Zahl der Mitglieder der Gruppe um ein Vielfaches, wobei sich eine meristische Dominanz für die orientalische Region abzeichnet. Weltweit kennen wir derzeit etwa 80 Procraerus-Spezies. Sie gehören zur Megapenthini-Gruppe und zeichnen sich innerhalb der Elateridae durch die Ausbildung plesiomorpher Merkmale an Vorderbrust-Epimeren und Prothorax aus.

Reitter (1905) hatte Procraerus tibialis in einer eigenständigen Gattung etabliert und den Käfer, von der bis dahin einzigen bekannten, nächstverwandten europäischen Art, Megapenthes lugens, kategorial getrennt. Diese Zuordnung hat seit damals immer wieder für Diskussion und gegensätzliche Argumentation gesorgt, und die Gründe dafür sind in der habituellen Ähnlichkeit beider Tiere und in der Anwendung der synthetischen Syste­matik zu suchen. Andererseits besteht auch noch heute Unklarheit darüber, wo die Mega­penthini-Gruppe im stammesgeschichtlichen System zu stehen hat und wie sich die einzelnen Adelphotaxa der verschiedenen Linien zusammensetzen. Die phylogenetische Rekonstruktion dieser Tiere gestaltet sich, aufgrund der Gleichförmigkeit der Merkmale und des exzessiven Materials, als äußerst schwierig.

Als xylobionte Käfer leben die Jungstadien der Megapenthini-Spezies im Innern alter hohler und in Zerfall begriffener Baumruinen, wo sie eine mehrjährige Entwicklung durch­laufen. Die Imagines werden auf Blüten und an Totholz angetroffen. Megapenthini-Arten werden im allgemeinen nur selten gefunden und zählen wegen ihrer verborgenen Lebens­weise und der saisonal kurzen Erscheinungszeit der Imagines zu den großen Raritäten der Elateridenfauna. Ihr Bestand ist weltweit anthropogenem Einfluß (Holzhandel, Brand­rodung u.s.w.) ausgesetzt und somit akut gefährdet. Von Megapenthini-Arten besetzte Hölzer sind ohne jeglichen merkantilen Wert, sie finden daher kaum Beachtung. Mit der Dezimierung der großen Waldgebiete der Erde werden den Populationen die Grundlagen mehr und mehr entzogen, und viele dieser stenöken Tiere werden aussterben, noch ehe sie Eingang in die wissenschaftliche Forschung gefunden haben.

Durch neu gesammeltes Material können der Megapenthini-Gruppe nun weitere vier bisher unbekannte Arten hinzugefügt werden. Eine dieser Arten wird aufgrund erkenn­barer Autapomorphienen in einer neuen Gruppe, Martiniana n.gen. etabliert. Im Text verwendete Abkürzungen:

CAO

= Coli. Arimoto, Osaka

CCW

= Coli. Cate, Wien

CKM

= Coli. Kniepert, Mainz

CPA

= Coli. Preuss, Annweiler

CSV

= Coli. Schimmel, Vinningen

NHMB

= Naturhistorisches Museum, Basel

NHMW

= Naturhistorisches Museum, Wien

Beschreibung der Arten

Procraerus knieperti n.sp. (Abb. 1)

8. Gelbbraune Art, erste drei Fühlerglieder rötlich, Pronotum mit unregelmäßiger Anordnung großer, dunkelbrauner Flecken, Kopf dunkelbraun. Fühler Hinterwinkel des Halsschildes um zwei Glieder überragend. Behaarung kurz, weitläufig, goldgelb und anliegend.

Kopf über Stirn extrem gewölbt, Vorderrand zum Clypeus geneigt. Punktur dicht und genabelt, Zwischenräume stark chagriniert und matt. Zweites und drittes Fühlerglied zu­sammen kürzer als viertes Glied, folgende Glieder subparallel, zum Apex kaum erweitert.

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