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Hölzer & HÖLZER : Neufunde von vier Torfmoosen im Pfälzerwald
3 . 2 . 6 Bestand , Gefährdung und Schutz
Die Art ist in SW - Deutschland auf relativ wenige ,
relativ nasse Standorte beschränkt , die meist in Schutz¬
gebieten liegen . Sie kann dort umfangreiche Bestände
entwickeln . Bei weiterem Schutz der Standorte ist
zur Zeit keine direkte Gefährdung zu sehen . Auch im
Pfälzerwald sind die drei Standorte nicht gefährdet .
Am See im Schöneichelsbachtal waren die Bestände
im Jahr 2009 durch den erniedrigten Wasserstand etwas
geschädigt , bei der Größe des Vorkommens dürfte das
Fortbestehen aber kaum gefährdet sein . Das zweite und
dritte Vorkommen sind kleinflächiger und daher eher
bedroht .
3 . 3 . Sphagnum obtusum WARNST .
S . limprichtii RÖLL
S . zickendrathii WARNSTORF ex ZlCKENDRATH
Stumpfblättriges Torfmoos
3 . 3 . 1 Morphologie
Normalerweise kräftige , seltener kleine Pflanzen ,
grün bis bräunlich , an ein kräftiges S . fallax erinnernd .
Jüngere Äste in den Köpfchen sichelig nach oben ge¬
dreht und stumpf , ältere nach der Seite .
Stammblätter ziemlich groß , dreieckig zun -
genförmig bis zungenförmig , an der abgerundeten
Spitze durch beidseitige Resorption der Membran hya¬
liner Zellen durchlöchert und etwas gefranst , niemals
aber zerrissen tief zweispaltig wie bei S . riparium .
Saum nach unten stark verbreitert ; Hyalinzellen fast
immer faserlos , sehr selten teils fibrös .
Äste in Büscheln zu 4 oder 5 , die 2 - 3 stärkeren
abstehend und sichelförmig herabgekrümmt , die übri¬
gen am Stamm anliegend . Blätter der abstehenden Äste
meist groß , breit lanzettlich , an der schmal gestutzten
Spitze gezähnt , Rand nur wenig eingebogen . Saum 2 - 4
selten bis öreihig .
Hyalocyten eng und lang , in der oberen Hälfte der
Blätter , selten tiefer , auf der Innenseite mit sehr klei¬
nen , undeutlichen , nur durch sehr intensive Anfärbung
wahrnehmbare einzelne Löcher in der Nähe der Kom¬
missuren oder in der Wandmitte zwischen den Fasern ;
auf der Außenseite meist zahlreiche gleichartige Poren
in der unteren Blatthälfte , bevorzugt in der Nähe der Sei¬
tenränder , manchmal auch 2reihig in der Nähe der Kom¬
missuren oder lreihig in der Wandmitte ; zudem fast im¬
mer mit winzigen Spitzenlöchern , sehr selten nur die¬
se . Blätter der hängenden Zweige nicht selten auf der
Außenseite mit größeren , runden , ringlosen Löchern in
allen Zellecken , die sich teilweise mit Poren auf der In¬
nenseite decken .
Chlorocyten sehr schmal , im Querschnitt dreieckig ,
von den miteinander verwachsenen Hyalocyten innen
gut eingeschlossen , sehr selten schmal trapezförmig
und beiderseits frei .
Abb . 8 : Verbreitungskarte von Sphagnum obtusum in SW -
Deutschland .
3 . 3 . 2 Bemerkungen
Die Art ähnelt auf dem ersten Blick einem kräftigen
S . fallax , aber die jüngeren Äste im Köpfchen sind
nach oben gebogen , die etwas älteren zur Seite . Ein
eindeutiges , mikroskopisches Merkmal sind die klei¬
nen , undeutlichen Pseudoporen der Astblätter , die man
aber nur bei sehr intensiver Färbung erkennen kann .
Bei Wasserformen sind diese oft nur an den untersten
Astblättern der Äste zu erkennen . Typisch sind auch die
großen gerundeten Stammblätter .
3 . 3 . 3 Ökologie
Sehr nasse Standorte , in Teppichen , oft teilweise
untergetaucht . Mesotrophe bis eutrophe Standorte , an
Bächen und Seeufern oder in Torfstichen . An guten
Standorten ist es eine der kräftigsten und sehr auffal¬
lenden Arten .
Sie ist bezeichnend für relativ elektrolytreiche ,
ständig nasse Schienken und zeigt immer etwas
minerotrophen Einfluss an . Sie scheint aber weni¬
ger austrocknungsresistent als S . cuspidatum zu sein
( Schuhmacher 1937 ) Sie ist häufig mit S . fallax , S .
squarrosum , Comarum palustre und Menyanthes trifo -
liata vergesellschaftet .
Vegetationsaufnahmen aus Baden - Württemberg :
DlERSSEN & DlERSSEN ( 1984 ) , GÖRS ( 1959/60 ) ,
HÖLZER ( 1977 ) .