Zum Einflug des Mauerläufers ( Tichodroma muraria )
in Gebiete außerhalb seines Brutareals * )
von Helmut Kramer , Bonn
In seiner interessanten Arbeit über Bewegungsweisen des Mauerläufers ( J . Orn . 108
( 1967 ) p . 165 — 186 ) geht H . Löhrl auch auf die Wanderungen des Mauerläufers ein :
„ Die Flügelform begünstigt den Flug im Gebirge , ist aber für aktiven Fernflug nicht ge¬
eignet , wohl aber dürfte sie das passive Verdriften erleichtern . Man sollte daher bei
plötzlichem Auftauchen von Mauerläufern in Norddeutschland auch einmal die Wind¬
verhältnisse untersuchen , die zu dieser Zeit geherrscht haben , wie es Seilkopf in ver¬
dienstvoller Weise zu tun pflegt , wenn Irrgäste aus Asien oder Amerika bei uns er¬
scheinen . "
Im Gegensatz zu Löhrl kann ich kaum glauben , daß es sich beim Auftreten von Mauer¬
läufern außerhalb des Brutareals in jedem Fall um passiv verdriftete Vögel handelt .
Denn auch unter unseren Zugvögeln finden sich Arten , die zur Brutzeit nicht gerade
durch besondere Leistungen als Langstreckenflieger auffallen ( Sommergoldhähnchen ,
Wiesenralle u . a . ) . — Allerdings teilte mir Herr Prof . Seilkopf mit , daß er den Mauer¬
läufer von Hamburg ( Februar - April 1950 ) in einem seiner Notiz - Bücher wiedergefun¬
den habe mit dem Vermerk „ nach langer anhaltender Südströmung und in Verbindung
mit 14 . 12 . 49 Dürkheim . " ( vgl . auch Beitr . Nat . Nieders . 4 ( 1951 ) p . 109 ) . Herr Prof .
Seilkopf , dem ich die folgende Zusammenstellung vorgelegt habe , meinte , daß es eine
wochenlange Arbeit erfordern würde , „ den Fällen meteorologisch nachzugehen " . Dies
sei auch ihm ganz unmöglich . Denn mit der Einsichtnahme einer ( Boden ) - Wetterkarte
sei es ja nicht getan . Er meint : „ Sollte es sich bei dem Mauerläufer ähnlich verhalten wie
beim Wasserpieper , der zum Winter von den Alpen und von anderen höheren Gebirgen
Süddeutschlands nordwärts zieht ? "
Persönlich möchte ich dies annehmen , zumal ich davon überzeugt bin , daß im Winter
mancher Mauerläufer übersehen wird . Wer beobachtet in einer Jahreszeit , in der dort
„ feldornithologisch nichts los ist " — schon an Felswänden und Burgruinen ?
Die zahlreichen Beobachtungen in Postelwitz ( Sachsen ) gehen letzten Endes auf einen
Förster zurück , der regelmäßig sein Revier beging . Mittlerweile sind auch die meisten
Forstbeamten motorisiert , so daß bei den Revierfahrten nicht mehr soviel Zeit und Ge¬
legenheit für Naturbeobachtungen bleibt wie früher .
Möge die folgende Zusammenstellung die Feldbeobachter dazu anregen , möglichen
„ Mauerläufer - Biotopen " mehr Aufmerksamkeit zu schenken ! Ferner möge man bisher
unpublizierte Beobachtungen einmal für die verschiedenen Länder zusammenstellen ! In
Zukunft müßte man auch darauf achten , wo der Mauerläufer bereits wiederholt aufge¬
treten ist ( vgl . die Beobachtungen aus Baden : Löffingen , St . Blasien , Istein ) . Wichtig
scheint mir die Frage , wovon er sich im Winter ernährt . Davon dürften größtenteils die
„ Winterquartiere " abhängig sein .
Belgien
Westflandern : 1880 Lac Flooge bei Ypern ( van Havre )
Antwerpen : am 4 . 12 . 1943 bei Antwerpen ( Dupond 1950 )
Brabant : am 7 . und 11 . 7 . 1891 Koekelberg bei Brüssel ( van Havre )
Lüttich : vor 1957 Aubel ( van Havre )
vor 1857 Huy ( van Havre )
zw . 1860 und 1870 Angleur ( van Havre )
1883 Comblain - au - pont ( Dupond 1950 )
Oktober 1890 Chaudfontaine ( van Havre )
Herrn Prof . G . Niethammer zum 60 . Geburtstag .
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