Harli-Stück war eine sehr scharfe Kopfzeichnung vorhanden. Das liebens­würdige Kerlchen gab mir wirklich mehr als reichlich Zeit und Gelegen­heit, sein Köpfchen aus allernächster Nähe zu beobachten und zu studie­ren, sodaß ich noch heute dankbar beglückt jenes Erlebnis im Herzen trage.

Hinzu kommt noch ein weiteres Moment, das allerdings im Freien keine Rolle spielt, aber eine nicht zu unterschätzende Bedeutung bei der Be­stimmung in Greifnähe gewinnt, wenn wir die Stirn, aber nicht den Schei­tel zu sehen bekommen. HARTERT (p. 523):Schmale, bisweilen undeut­liche Stirnbinde". Jedenfalls war bei allen 6 proregulus-Bälgen, die uns jetzt vorlagen, diese gelbe Querbinde deutlich genug sichtbar, auch bei dem einen weiblichen Stück; keines der 16 inornatus-Stücke hatte eine solche aufzuweisen.

Die Größenbestimmung hat für die Art- u. Geschlechtsdiagnose der Bälge bekanntlich eine recht wesentliche Bedeutung; man braucht nur einen Blick auf die Abbildung zu werfen, um den Größenunterschied zwischen dem proregulus-Balg und den inornatus-Bälgen zu erkennen. Für die Bestimmung draußen von lebenden Vögeln dürfte sie praktisch bedeutungslos sein.

Die Flügellängen der 22 Stücke (die Messung wurde von PLUCINSKI in Gegenwart von BERNDT und mir vorgenommen) will ich mitteüen: 6 proregulus 1: 48 mm, 5 ♂♂- 51, 51 , 52, 53, 53 mm,

16 inornatus : 3 ♀♀: 52,54,54 mm, Geschlecht nicht bestimmt: 3 Stücke 55 mm,

10 ♂♂: 56, 56, 56, 56, 57, 57, 58, 58, 58, 58 mm.

Die Angaben der Literatur werden bestätigt. Die proregulus-Stücke weisen im Durchschnitt in der Flügellänge ein Minus von 4 mm auf ge­genüber der andern Art. Ad. Exemplare unter 52 mm dürften stets der Art proregulus, Stücke von mehr als 56 mm Flügellänge stets der Art inornatus angehören; die Überschneidung beider Arten liegt bei 5256 mm.

Die Behauptung, man könne im Freien Stücke, die den Bürzel nicht zur Schau stellten, nur dann richtig bestimmen, wenn man sie schieße, muß ganz entschieden zurückgewiesen werden. Ich begrüße herzlich die Be­strebungen der jüngeren Ornithologen-Generation, die Unsitte des Schies­sens zum Zwecke der Artbestimmung abzuschaffen und mit verschärf­tem Feldblick und vertieften feldornithologischen Kenntnissen fertig zu werden. Ich hätte es jedenfalls nie übers Herz gebracht, den allerliebsten kleinen Burschen vom Harli zu töten, nur um ein sichtbares Beweisstück zu haben. Wissenschaftliche Wahrheitsliebe und Exaktheit der Beobach­tung bzw. des Beobachtungsberichtes sollten an die Stelle des mit un- serm verschärften ethischen Gewissen nicht mehr zu vereinbarenden Allerwelttötens treten.

BERNDTs Stück vom Hainberg und meines vom Harli sind zweifellos proregulus-Stücke. Dr. BERNDT, der sein Stück zunächst für inornatus gehalten hat (er hat es unter Ph. inornatus, aber mit den Kenn­zeichen, die für proregulus charakteristisch sind, in Orn. Ber. 1950 be­schrieben) wird seine Veröffentlichung in diesem Sinne berichtigen. Jeden­falls sind BERNDT, PLUCINSKI und ich nach gründlicher Uberprüfung des umfangreichen literarischen und anschaulichen Materials überzeugt davon, daß auch das Hainberg-Stück als ganz sichere proregulus-Be- obachtung zu werten ist.

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