Nach anhaltenden Sturmtagen hielt sich am 20. 9. 50 zwischen Amrum und Föhr eine Schmarotzerraubmöwe (Stercorarius parasiticus) der dunklen Phase auf; am 26. 9. sah auch WERBER von Wyk aus eine solche u. erhielt am selben Tage ein ermattet gegriffenes junges Stück dieser Art. Anders als 1948 begegnete mir die interessante Lachseeschwalbe (Gelochelidon nilotica). die man zweifellos nur an sehr wenigen Stellen Deutschlands wird so regelmäßig wie auf Amrum beobachten können. Obwohl sie in beiden Jahren ab 12./13. Mai bis ins erste Junidrittel kei­neswegs selten, wenn auch unregelmäßig, einzeln oder zu zwei bis drei Stück Amrum für kürzere oder längere Zeit anflog, blieb es bei solchen Besuchen und kam es leider nicht zu dem sehnlichst erhofften erneuten Brüten auf der Insel. Weit mehr als über Strand und Watt revierten die Seltlinge über den Heide- und Dünenflächen der Geest und den Wie­sen der Marsch: oft lockend und sich jagend, bisweilen auchlachend" stellten sie hier neben Kerbtieren usw. gern den verbreiteten Bergeidech­sen nach. Oft durchflogen sie hierbei auch den Brutbereich der Seeschwal­ben, Silber- und Sturmmöwen, ohne daß diese von den Gästen Notiz nahmen. Von etwa 10. Juni ab bis Mitte Juli trat die Art sehr zurück, vom 16. 7. 49 bzw. 25. 7. 50 an hingegen gehörte sie bis zum 2. bzw. 4. Sept. beinahe zum täglichen Bild. Ein, gelegentlich auch zwei Jungvögel ihre Kopfpartie wirkt durch die nur schmale Schwarzstreifung ungleich heller als bei den jungen Brandseesschwalben, die Amrum zahlreich aufsuchen pflegten dann eigenartig gierend einem gewöhnlich stumm bleibenden Altvogel nachzufliegen und sich am Boden füttern zu lassen. Eine an einem hängenden Lauf leicht erkennbare junge Lachseeschwalbe hielt sich 1949 mindestens 9 Tage auf Amrum auf. Zweifellos handelt es sich bei diesen Gästen da über Brüten auf deutschem Boden in letzter Zeit nichts bekannt geworden ist, obwohl es für einige abgelegene Geest­flächen Schleswigs nicht ganz ausgeschlossen erscheint in erster Linie um dänische Brutvögel, die von Julimitte ab u. a. Teile Südtonderns (vgl. EMEIS, Vogelzug 1932) durchwandern und wahrscheinlich auch die aus Niederländisch-Friesland bekannten Durchzügler (v. d. MEER, Org. Cl. Ned. Vogelkd. 3) abgeben. Von 19311936 und 1940 wurde die Lachsee­schwalbe auf der Hallig Norderoog, 1937 und 1938 auf Amrum als verein­zelt nistend festgestellt; so wird ihr auch künftig im Bereich der nord­friesischen Inseln und Schleswigs besondere Aufmerksamkeit zugewandt werden müssen.

Die noch ungleich seltenere Rosenseeschwalbe (vgl. Orn. Mitt. 1; 1948) suchte ich in beiden Jahren vergeblich, hingegen konnte 1950 zweimal, am 22. 7. und am 14. 8., je eine Raubseeschwalbe (Hydroprogne tschegrava) beobachtet werden, die eine nach WSW, die andere nach SSO überhinfliegend. *)

An besonderen Limicolen wurden vom Dunklen Wasserläufer (Tringa erythropus) 1949 insgesamt 67, 1950 höchstens 12 Stück ange­troffen, davon eines am 5. 5. 49, alle anderen im Herbst zwischen 27. 8. und 8. 9. 49 bzw. zwischen 9. 8. und 21. 9. 50, von einigen Vorauszüglern am 22. 7. abgesehen. Im Gegensatz hierzu war der Grünschenkel (Tringa nebularia) vom letzten Julidrittel ab bis in die erste September­hälfte ausgesprochen häufig, besonders 1950. **)

*) Bereits am 12. 6. 48 war mir diese ehemals auf Sylt heimische Art in 2 Expl. begegnet, aller­dings unter so ungünstigen Umständen, daß idi sie in meinem ersten Bericht unerwähnt ließ. Nachträglich erhielt ich die Bestätigung durch den Wyker Präparator WERBER, der um die gleiche Zeit zwei Raubseeschwalben, sehr wahrscheinlich dieselben Vögel, auf Föhr einwandfrei nachweisen konnte.

**) Am 27. Aug. 1950 z. B. zählte ich unter den rund 5500 im überblickbaren Teile des Watts zwi­schen Norddorf und Nebel verteilten Vögeln ungefähr: 3000 Lachmöven, 250 Sturmmöwen, 200 Silbermöwen, 50 Brandseeschwalben, 2 Lachseeschwalben, 300 Sandregenpfeifer, 150 Kiebitz­regenpfeifer, 400 Alpenstrandläufer, 600 Knutts, 300 Rotschenkel, 70 Grünschenkel, 120 Pfuhl­schnepfen, 30 Austernfischer, 10 Regenbrachvögel, 5 Flußuferläufer, 3 Steinwälzer, knapp 100 En­ten, einige Brandgänse usw., aber keinen einzigen Dunklen Wasserläufer.

151