Kurz darauf beobachteten mehrere Augenzeugen eine Krähe, die im Hühnerhof selbst anscheinend harmlos unter den über hundert Hühnern herumspazierte. Plötzlich stürzte sie sich auf ein Huhn, hackte auf dessen Kopf ein und wurde durch die herbeieilenden Zeugen verjagt. Der betreffenden Henne war bereits eine Auge ausgehackt worden, doch mußte sie wenigstens nicht notgeschlachtet werden. Inzwischen ist eine ganze Anzahl Hühner gleich einem Hahn infolge der Krähenattacken auf einem Auge erblindet. Sieben getötete Althühner gehen nunmehr einwandfrei auf das Konto dieser abnorm veranlagten Krähe, davon drei im Gutshof RAU und vier im benachbarten Gehöft, wo ebenfalls Augenzeugen die angreifende Krähe wiederholt beobachtet haben. Alle Umstände sprechen dafür, daß es sich um das wohl ziemlich alte Männchen des Krähenpaares im Obstgarten handelt, das sich auf eine beinahe unglaubliche Weise auf alte Haushühner spezialisiert hat. Obwohl auf diese Attentate hin das Nest mit den 5 Jungen heruntergestoßen wurde, halten sich die beiden Brutkrähen nach wie vor im Bereich dieses Gutshofs auf. Ihre Hartnäckigkeit ist außergewöhnlich, denn vergangenes Jahr bauten sie, trotzdem ihr Nest mit Gelegen immer wieder entfernt wurde, nicht weniger als viermal im gleichen Obstgarten. Damals fanden allerdings keine Übergriffe auf Althühner statt, sondern nur solche auf Küken, die jedoch dieses Jahr fehlen. Die Hühner verhalten sich teils neutral, teils agressiv gegen ihren gefährlichen Feind; Angst scheinen nur solche zu empfinden, die bereits üble Erfahrungen gemacht haben.
Jost Straubinger. Augsburg-Haunstetten. Adelheidstr. 18
Massenzug von Goldregenpfeifern im Frühjahr
Nach NIETHAMMER (Handbuch, der Deutschen Vogelwelt. Bd. III) ziehen Goldregenpfeifer (sowohl Pluvialis apricarius apricarius als auch Pluvialis apricarius altifrons) im Frühjahr viel spärlicher als im Herbst, demnach also nicht in großen Scharen. Im Gegensatz dazu beobachtete ich am 31. 3. 1951 in der Wedeler Marsch, an der Elbe unterhalb Hamburg gelegen, auf einer elbnahen, sehr feuchten, kurzrasigen Wiese, die von hoch voll Wasser stehenden Gräben durchzogen ist, nachmittags mehrere Stunden lang 1200—1400 Goldregenpfeifer (anscheinend alles Pluvialis a. altifrons).
Beim Fliegen im geschlossenen Verband waren nur „tjüih"-Rufe zu hören. Nach wiederholtem Einfallen auf der Wiese gingen die Goldregenpfeifer aus dem Schwenken in großer Höhe in ein Durcheinanderwirbeln über. Hierbei wurden langanhaltende, gesangsartige Rufreihen gehört wie „diüjadiüja . . .". die trillernd wirkten, sich erheblich von den Rufen beim Schwenken unterschieden und wohl den Rufen gleichzusetzen sein dürften, die nach NIETHAMMER vom Pluvialis a. apricarius am Brutplatz zu hören sind und demnach (mindestens von Pluvialis a. altifrons) bei günstigen Verhältnissen bereits auf dem Zuge zu hören sind.
Der Schwarm bestand aus etwa 20% ausgefärbten ♂, etwa 20% ausgefärbten ♀(beides Pluvialis a. altifrons) und etwa 60% Goldregenpfeifern im Ruhekleid, teils im Mauserbeginn.
Heinz Börner, Hamburg 1, Langereihe 34
Rotkehlchen als Halbhöhlenbrüter
In Nr. 4 der Orn. Mitt. berichtet LÜTGENS über einen Brutversuch des Rotkehlchens in einer Halbhöhle. Hierzu möchte ich die folgende Beobachtung mitteilen:
Im vergangenen Sommer brütete ein Rotkehlchen in einer Höhle auf meinem Fabrikgrundstück. In der Außenwand eines noch nicht verputzten Neubaus befand sich 1,35 m über dem Erdboden und dicht neben dem Eingang eine durch Fortlassen eines Ziegelsteines entstandene Höhle, welche 30 cm tief war und nach außen die Größe der Kopfseite eines Zie-
208
