Der Vogelpark in Alphen ( Holland )
von Georg Steinbacher , Augsburg
In jüngster Zeit sind zahlreiche Berichte über den Vogelpark in Alphen
( Holland ) veröffentlicht worden , die auch das Interesse der deutschen Vogel¬
freunde wachgerufen haben . Für den Ornithologen ist ein Tierpark , der
sich auf die Schaustellung von Vögeln beschränkt , diese aber in großer
Arten - und Individuenzahl zeigt , von besonderer Bedeutung , zumal in
Deutschland versucht wurde und wird , eine ähnliche Zielsetzung zu ver¬
wirklichen , wie früher in dem Hamburger Vogel - Zoo und heute im Esse¬
ner Vogelpark . Alphen liegt in einer außerordentlich dicht besiedelten Land¬
schaft , im Bannkreis der Städte Rotterdam , Haag und Utrecht , inmitten
einer grünen Marschlandschaft mit zahlreichen großen Dörfern und klei¬
neren Städten . Die Gegend bietet kaum Abwechslung , die Einwohner
haben nur wenige lockende Ziele für Ausflüge an Sonn - und Feiertagen .
So sind die Voraussetzungen gegeben , einen solchen Vogelpark zum Er¬
holungsort für eine starke Bevölkerung werden zu lassen ; dies umsomehr ,
als gerade jenes Gebiet über eine Unzahl guter Straßen verfügt und der
Omnibus - und Autoverkehr dort eine viel größere Rolle spielt als bei uns .
So ist es kein Wunder , daß der Alphener Vogelpark „ Avifauna " bereits
nach 1 % Jahren einen Gesamtbesuch von einer Million melden konnte
und damit auch die wirtschaftliche Grundlage für ihn gesichert erscheint .
Der Vogelpark in Alphen bedeckt etwa 6 Hektar , hat also fast die Größe
des Frankfurter Zoo . Er besitzt mehrere Teiche , eine große Anzahl von
Flugkäfigen , einige Gehege für die Stelzvögel und Straußartige , mehrere
kleine Vogelhäuser und schließlich eine riesige Restauration . Seine Vogel¬
bestände erreichen nach Arten - und Individuenzahl längst nicht diejeni¬
gen des früheren Berliner Zoo , übertreffen aber die der heutigen deut¬
schen Tiergärten beträchtlich . Die Vogelsammlung ist weder systematisch
noch geographisch geordnet , vielmehr sind die Gehege , Käfige und Häuser
mehr nach architektonischen Gesichtspunkten angelegt und vom Ästheti¬
schen aus besetzt . Es werden farbenprächtige Arten bevorzugt , um ein
besonders schönes Gesamtbild zu erzielen . Besonders eindruckvoll sind die
große Flamingoherde auf einem der Teiche , die großen Gehege mit Strau¬
ßen , Nandus und Emus , eine Voliere mit einem Schwärm herrlich roter ,
südamerikanischer Sichler . Zahreich sind die bunten australischen Sittiche
vertreten . Für den Vogelfreund von größtem Interesse ist eine fast voll¬
ständige Sammlung der nordamerikanischen Wachteln . Herrlich schön
wirkt es , wenn einige afrikanische Sattelstörche durch einen Teich waten ,
auf dessen Oberfläche sich Braunrückenpelikane tummeln . Sehr vollstän¬
dig sind die afrikanischen Prachtfinken vertreten . Reichhaltig sind die
Sammlungen an Enten , Gänsen , Stärlingen . Besonders hübsch sind eine
Anzahl von Käfigen mit reicher Bepflanzung , die besonders bunte Arten
enthalten , wie Tukane , Arassaris , Stärlinge , Tangaren , Blattvögel , Pittas ,
Honigsauger und vor allem die bunten südamerikanischen Finkenarten .
In einem Haus sind eine Reihe von Lichtkäfigen untergebracht . Das sind
hell erleuchtete Käfige , die von einem dunklen Besuchergang aus betrach¬
tet werden können , der durch lichtdicht abschließende Türen nach außen
hin abgeriegelt ist . Zwischen den Besuchern und Vögeln befinden sich
weder Scheiben noch Gitter . Man schaut ohne trennendes Hindernis in
den Käfig hinein . Diese Käfige sind mit Prachtfinken , vor allem mit Witwen
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