von Bedeutung , wenn es gelingt , einen Grauen Fliegenschnäpper , also
einen typischen „ Bewegungssucher " an ein völlig unbewegtes Mischfutter
zu gewöhnen . Ich möchte daher alle außerhalb des Bereichs der kryp¬
tischen Trachten liegenden Erörterungen für die Verwendung der in der
Überschrift genannten , von mir definierten Begriffe ausdrücklich aus¬
schließen .
Anschrift des Verfassers : Regierungsrat Dozent Dr . STEINIGER , Flensburg , Waldstr . 4
Vögel als „ Schnabelsucher " und Auslese von
Insekten mit visuellen Schutztrachten
Von Herbert Bruns , z . Zt . Schweinfurt/Main
Wenn man die Begriffe Schnabelsucher , Augensucher und Bewegungs¬
sucher nur als relative Begriffe und mit der entsprechenden Vorsicht an¬
wendet , wie sie STEINIGER ( „ Warnen und Tarnen " 1938 ) verstanden
haben will , dann möchte ich dieser Einteilung unbedingt zustimmen . Aus
dem Einteilungsversuch und der Beobachtung , daß die Meisen als Schna¬
belsucher auch Insekten mit verbergender Schutztracht finden , hat man
jedoch weitergehende Schlüsse gezogen , nämlich , daß die Schutzfärbung
der Insekten gegenüber Meisen unwirksam sei und die Meisen als
selektionierende Feinde nicht in Frage kommen .
Daß auch Insekten mit kryptischer Schutztracht gegenüber einem
Schnabelsucher , also z . B . einer Blaumeise , keinen absoluten
Schutz genießen , wurde durch die Versuche STEINIGERs bewiesen . Es
bleibt aber die Frage offen , ob nicht doch ein gewisser relativer
Schutz besteht , nämlich dadurch , daß sich die Meisen bei ihrer Nahrungs¬
wahl in gewissem Umfange auch vom Gesichtssinn leiten lassen . STEI¬
NIGER selbst hat z . B . 1938 darauf hingewiesen , daß bei dem Begriff
„ Schnabelsucher " keineswegs gesagt werden soll , daß das Auge hinsicht¬
lich des Erkennens der Beute keine Rolle spielt , sondern nur , daß der
Schnabel die wesentlichere Rolle spielt . Die Begriffe Schnabelsucher und
Augensucher sind also nur relativ zu verstehen . Weiterhin bezeichnete
STEINIGER ( 1938 ) seine Einteilung vorsichtigerweise als einen vorläu¬
figen Versuch , der weniger den Charakter eines abschließenden Ergeb¬
nisses als vielmehr den einer Arbeitshypothese tragen soll .
Die weitergehende Schlußfolgerung , daß Insekten mit verbergender
Schutztracht gegenüber den Meisen überhaupt keinen , also auch keinen
relativen Schutz genießen , ist nicht nur unbewiesen , sondern steht im
Widerspruch zu neueren Beobachtungen . Wenn man einer Meise im Versuch
genügend Zeit läßt , wird sie gewiß im Laufe der Zeit auch das letzte
visuell angepaßte Insekt finden . Doch diese Versuchsbedingung entspricht
nicht ganz den Verhältnissen in der Natur , wo ja als Voraussetzung für
den Fortbestand einer Tierart ein gewisser Prozentsatz der Tiere am
Leben bleibt , wenn die Art nicht aussterben soll . Wird eine Meise z . B .
bei der Futtersuche für die Jungen , nicht eher von einem Baum zum
anderen fliegen , als bis sie das letzte Insekt oder Insektenei des ersten
Baumes ergriffen hat ? Wohl kaum , zumindest nicht in allen Fällen .
Überlegungen , ob Tiere mit einer Schutztracht zu einem geringeren
Prozentsatz gefressen werden , sind nicht neu . Verschiedene Experimente
haben bewiesen , daß es eine solche Selektion von visuellen Schutzanpas -
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