Nach den vorliegenden Daten ist also selbst im Binnenland mit der Art von Ende Sep­tember bis Anfang April zu rechnen.

Es wurden überwiegend Einzelvögel gesehen. Einmal zogen jedoch 3 Ex. zusammen durch, am 10. 1. 71 sogar 6 Ex. Flüge in dieser Stärke zählen im Binnenland (noch?) zu den Ausnahmen (Lit. s. bei Bittberner und Lenz 1969). Die meisten Beobachtungen betreffen durchziehende Vögel, nur in 4 Fällen rasteten Spornammern, davon 1 Ex. über einen Zeitraum von 2 Tagen. In allen anderen Fällen hielten sich die Vögel nur für wenige Stunden auf. Das Absuchen geeigneter Rastbiotope allein, wie es immer wieder empfohlen wird, reicht also nicht aus, um den Durchzug der Spornammer in befriedigendem Umfang zu erfassen. Nur durch intensive Beobachtung des Vogelzuges über der Stadt gelangen die meisten Nachweise in Berlin. Entsprechendes gilt wenigstens im Bereich unserer Stadt auch für andere nordische Arten wie Ohrenlerche, Schneeammer und Rotkehlpieper. Von den rastend angetroffenen Vögeln hielt sich einer zwischen Goldammern auf, ein anderes Ex. in Gesellschaft von Blut- und Berghänflingen, sie zeigten aber keine Bindung an diese Arten. Das Zusammentreffen war wohl durch das für eine Rast geeignete Gelände vorgegeben. Die Spornammern flogen bei Annäherung von Beobachtern unabhängig von den anderen Vogelarten auf; fielen sie wieder ein, dann oft an anderer Stelle als Gold­ammern und Hänflinge. Die geringe Bindung an andere Arten erwähnt auch Haensel (1961). Ein anderes rastendes Ex. wurde mehrfach von einem Grünfinken gejagt. Die Gebiete, in denen Calcarius lapponicus bei uns bisher am häufigsten nachgewiesen wurde, sind m. o. w. verkrautete Flächen (aufgegebene Felder, zugeschüttete Kiesgruben), Müllkippen und Trümmeraufschüttungen. Eine Bindung des Vorkommens an die Nähe von Wasser (Schmelzwasserpfützen, Uberschwemmungsflächen u.a.), wie es Haensel (1961) beschreibt, konnten wir in keinem Fall feststellen. Hauptauslöser für die Rast dürfte ein günstiges Nahrungsangebot sein (dadurch bedingt zufälliges Zusammentreffen mit anderen Finken vögeln).

Die Häufung der Spornammernachweise im Berliner Raum in den letzten Jahren kann natürlich zum Teil auf die relativ hohe Beobachterdichte in der Stadt und die Tatsache, daß für die Art zur Rast geeignete Flächen öfter als in früheren Jahren kontrolliert wer­den, zurückgeführt werden. Andererseits dürfte die Spornammer wohl auch tatsächlich häufiger als früher bei uns erscheinen. Dafür sprechen die Beobachtungen von durch­ziehenden Trupps. Es zeigen sich damit Paralellen zu den Verhältnissen bei anderen nor­dischen Arten auf, wie Rotkehlpieper, Ohrenlerche und Schneeammer, die in den letzten Jahren regelmäßig, Ohrenlerche und Schneeammer sogar zahlreich nachgewiesen werden. Die angeführten Beobachtungen aus einem relativ kleinen Gebiet (West-Berlin 480 qkm) zeigen deutlich, wie stark der Einflug solcher Arten in das Binnenland tatsächlich sein muß. Bereits unter so ungünstigen Bedingungen wie in Berlin (nur noch kleine für einen Aufenthalt geeignete Flächen, dort häufige Störungen: Menschen, Hunde, usw.) wird die Spornammer selten, aber alljährlich nachgewiesen.

Für die Überlassung ihrer Aufzeichnungen danke ich allen Beobachtern auch an dieser Stelle, besonders Herrn A. Bruch für einige Hinweise.

Literatur

Dittberner, H. und W. und Lenz, M. (1969): Durchzugs- und "Winterfeststellungen nor­discher Ammernarten im Land Brandenburg. Vogelwelt 90, 225-233.

Eggers, J. (1972): Ornithologischer Jahresbericht 1970 für das Hamburger Gebiet. Hamb, avifaun. Beitr. 10, 115-176, 173!

Haensel, J. (1961): Spornammer-Beobachtungen bei Halberstadt und Magdeburg. Falke 8, 118-121.

Nehls, H. W. (1959): Ohrenlerchen, Spornammer und Schneeammer in Mecklenburg. Falke 6, 147-153.

Niethammer, G., Kramer, H. und Wolters, H. E. (1964): Die Vögel Deutschlands.

Artenliste. Frankfurt/M. Schmidt, G. A. J. (1955): Eine Phänologie bemerkenswerter Vogelarten Schleswig-Holsteins

für die Jahre 1950-1954. Orn. Mitt. 7, 21-31.

Anschrift des Verfassers: Dr. Michael Lenz, D-l Berlin 42, Manfred-von-Richthofen-Str. 13

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