Es dürfte sich um 4 Paare gehandelt haben . Beim Einfliegen der Altvögel war von
Bettelrufen nichts zu hören , vor allem wegen des Verkehrslärms der Umgebung .
Dennoch glaube ich sicher , daß diese Uferschwalben gebrütet haben , allerdings unter
erheblichen Störungen : Erstens ist der Obere Mainkai Anlege - und Ausladeplatz für
mit Sand und Kies beladene Frachtkähne ; oft genug sah ich die Uferschwalben vor
ihren Löchern kreisen , aber nicht einfliegen , wenn gerade ein Kahn den Einflugweg
versperrte . Dazu kam zweitens das Hochwasser von Mitte Juli 1954 , das die Hälfte
der Löcher völlig unter Wasser setzte , so daß vorhandene Brüten unweigerlich ver¬
loren gingen . Trotzdem blieben die Vögel noch bis zum 8 . August , beflogen aber nur
noch diejenigen Mauerlöcher , die das Hochwasser nicht ganz hatte ausfüllen können .
1955 erschienen die Uferschwalben bei der Löwenbrücke erst Ende Mai ; vom
Durchzug war diesmal hier am Brutplatz nichts zu bemerken . Am 26 . 5 . beobachtete
ich erstmalig zwei Paare , die je eines der vom Vorjahre her bekannten Löcher be¬
flogen ; 1 . Ex . trug Nistmaterial ( einen langen Halm ) ein . Vom 8 . 6 . bis zum 13 . 7 .
war schließlich nur noch 1 Paar regelmäßig anwesend ; es blieb bis zum 22 . 7 . Die
Störungen durch Frachtkähne waren in diesem Jahr unbedeutend ( die Kähne legten
meist an anderen Plätzen an ) ; außerdem regnete es 1955 weniger als 1954 und der
Mainwasserspiegel blieb normal . Daher wohl auch das ( gegenüber 1954 ) viel frühere
Verschwinden der Uferschwalben vom Brutplatz .
Wir mir nachträglich ( Juli 55 ) Herr Dr . H . Hubl ( Würzburg ) mündlich mitteilte ,
hatten bei der Löwenbrücke in Würzburg schon Ende der 40er Jahre Uferschwalben
in der Uferbefestigung gebrütet . Herr Dr . Bruns berichtete mir über ein ähnliches
ßrutvorkommen von der Weser .
Ende August 1955 ging ich ans Vermessen der Löcher ( Ergebnisse siehe unten ! ) und
machte vom Boot aus einige Aufnahmen . Die Bilder zeigen Brutplatz und Biotop
( Stadtgebiet ) der Uferschwalben .
Nistloch Nr . Höhe über dem mittl . Mainwasserspiegel Tiefe
1 55 cm 80 cm
2 65 cm 85 cm
3 90 cm 45 cm
4 95 cm 75 cm
5 90 cm 55 cm
W . Rosenberger , Würzburg , Sonnenstraße 17
Eigenartiges Verhalten von Vögeln gegenüber dem Uferläufer ( Actitis hypoleucos )
Am 16 . 8 . 1954 beobachtete ich in Wickede an der Ruhr einen Uferiäufer , der laut
rufend , schnell und niedrig über einen direkt am Wasser gelegenen Geflügelhof hin¬
wegstrich . Auffallend war die Reaktion , die die Haushühner dem Vogel gegenüber
zeigten . Sie schreckten zusammen , der Hahn reckte den Hals und warnte genau so ,
als sei ein Greifvogel wahrgenommen worden .
G . Ramme sah wenige Tage später einen Uferläufer über dem Fluß , der etwa 80
Meter weit von einer Rauchschwalbe verfolgt wurde ; sie „ haßte " auf ihn , wie das die
Singvögel bei einem Greifen wohl tun . Eine gleiche Beobachtung machte A . Bock
am 25 . 8 . 1955 ; diesmal ging die Jagd der Schwalbe hinter dem rufenden Uferläufer
her , sogar fast 300 Meter weit über den Wasserlauf dahin . — So etwas ist auch von
anderen Arten , besonders Bachstelzen , gelegentlich bekannt geworden .
Was am Uferläufer ruft nun bei anderen Vögeln eine „ Feind - Reaktion " hervor ,
d . h . was wirkt bei ihm als auslösender Reiz für ein solches Verhalten ? Daß es das
Flugbild ist , glaube ich nicht ganz . Ich hatte bei meiner Beobachtung mehr den Ein¬
druck , es sei seine Stimme . Horst Mester , Fröndenberg/Ruhr , Kraftwerk
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