Waldparzellen aus, auch einzelne Brutpaare in die Marschen der Westküste mit ihren Windschutzgehölzen entsendend. Im Norden von uns, wo die Art früher in Dänemark viel häufiger war (vgl. I B 12, 13 u. 14), ist sie in den angrenzenden Bezirken nur spärlich Brutvogel. Nach Süden hin, gegen die Waldzonen der Lüneburger Heide und Mecklenburgs, fanden sich südlich Hamburg und in Lauenburg mehr und mehr Vor­posten (vgl. III 5).

Dieser kurz skizzierte Bereich umgrenzt zugleich das Vorkommen und damit even­tuell eine gewisse oekologische Abhängigkeit der Scharen vor allem jüngerer Kolk­raben, wenn auch das Beispiel der Misteldrossel aus der Literatur vor übereilten, oekologisch engen Schlüssen warnt.

4. Siedlungsdichte: In den Jahren 1947 bis 1953 erreichte der Bestand des Kolkraben in Schleswig-Holstein einen erfreulichen Höhepunkt. Auf den 15 664 qkm unseres Landes lebten in dieser Zeit schließlich an die 200 Brutpaare (reichlich, mit K. O. Beckmann, mdl.), im weiteren Kieler Förderaum nach meinen Erhebungen auf rund 450 qkm 8 bis 10 Paare. Wenn es im Frühjahr bis März auch hier und da regelmäßig zu Revierkämpfen kam, so stand doch mit mehr als 50 qkm in Schleswig-Holstein jedem Brutpaar günstiger Landstriche ein beachtliches Territorium offen. Hierbei ist zu bedenken, daß nur etwa 2/3 der angegebenen Landfläche unseres Gebietes für eine Besiedlung durch C. corax als günstig erscheinen. Im Kieler Raum umfaßten die bizarren und schwer auszumessenden Reviere im allgemeinen nur rund 56 mal 67 km und stießen jeweils mit einer Ecke an den winters mit Schlachthof, Fisch­markt, Müllplätzen usw. recht ergiebigen Stadtbereich. Sie wurden markiert durch die oft in gleicher Folge (Tagesrhythmus) und auf gleichen Flugrouten besuchten festen Tagesplätze.

Die geschilderte relativ hohe Siedlungsdichte (besonders 1953) mußte eine auffällige Nachwuchsquote schaffen. Diese mußte wiederum um so mehr hervortreten, da wie oben angegeben die Jungvogel-Scharen den umzeichneten optimalen Biotop der Population zunächst kaum oder gar nicht verließen.

Die Freude der Ornithologen über das Aufblühen des Bestandes wurde zum Ärger vieler Jäger, die zu dieser Vogelart zumeist kein rechtes Verhältnis gewinnen konn­ten. Ein gegenüber manchen anderen, teilweise durch Jäger selber hervorgerufenen Ursachen verschwindend geringer Niederwildschaden des Kolkraben ist zweifellos zu bestätigen. Er wird jedoch vielfach zu sehr konstruiert und propagiert wie leider auch oft die Literatur zum Schutze des Raben aus Mangel an wissenschaftlicher Grundlagenarbeit. Zur Psychose derKolkrabenbekämpfung" hat nachweislich auch dieMasse" in Form der Jungvogel-Gesellschaften nicht unwesentlich beigetragen, vor allem beim Höhepunkt 1953 bis 1954: Horstbäume wurden gefällt, Eisen gestellt, Gifteier ausgelegt. Auch erlegte man stellenweise einzelne Stücke am Horst, wenn dieser nicht hoch genug, d. h. außerhalbwirksamer Schrotschußweite", und nicht dicht genug am Stamm der älteren Rotbuchen angelegt war. Seit dieser mehr oder minder geheim geführten, illegitimen Verfolgungsaktion, in deren Verlauf überall Junge im Horst nach Verlust der Eltern verhungerten und verluderten, ist unser Kolkraben-Besatz ähnlich 1928 (W. Nolte) von 1954 auf 1956 sehr schnell auf 25% zurückgegangen. Seitdem ist in den vakant gewordenen Bezirken auch von Raben- Ansammlungen größerer Zahl nichts mehr zu spüren.

5. Wanderbewegungen: Jungvogel-Gesellschaften beim Kolkraben hatten wie über­haupt die Jungraben zuerst nach der Familienauflösung (vgl. unter I) keine Revier- Bindungen, sondern zugleich mit der Neigung zur Vergesellschaftung vielmehr einen Hang zum Wandern. Die Scharen waren mal hier, mal dort, traten plötzlich in Be­zirken Schleswig-Holsteins auf, wo im allgemeinen sehr wenig oder gar keine Brut­paare dieser Art zu finden sind, zum Beispiel an der Hamburger Hallig (I A 8) oder im Marschbereich des Kreises Steinburg (I B 5). Ebenso wie Jungsaatkrähen-Gesell­schaften sich oft ein bis zwei Jahre bei uns in einem bisher nicht besiedelten Distrikt

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