turschutzunion im Juni 1956 in Edinburgh, an der Vertreter von 33 Nationen teil­nahmen, änderte die Union ihren Namen in „Internationale Union zur Erhaltung der Natur und der natürlichen Hilfsquellen" (IUCN). Durch diese Ergänzung wird ausgedrückt, daß neben dem konservierenden Naturschutz auch die Erhaltung und Pflege der Landschaft allgemein mit ihren natürlichen Reichtümern in das Arbeits­gebiet der Union aufgenommen wurde und damit eine Zusammenfassung dieser Ar­beiten auch nach internationalen Gesichtspunkten gewährleistet ist. Der umfang­reiche Tagungsbericht der 6. Technischen Sitzung, die gleichzeitig mit der General­versammlung in Edinburgh abgehalten wurde, trägt bereits weitgehend dieser neuen Arbeitsrichtung Rechnung. Neben den Themen über die Verwaltung von Schutzge­bieten auf der Grundlage der modernen wissenschaftlichen Erkenntnisse und einer Diskussion über das Auftreten und die Folgen der Myxomatose ist hier ausführli­ches Material über die Regenerierung der durch menschliche Einwirkungen gestörten Landschaften und das Zusammenwirken von Ökologie und Landschaftsplanung zu­sammengetragen.

Zum ersten Tagungsthema lieferten die Vertreter Englands unter E. M. Nichol­son, der selbst einmal über die Vogelkunde zum Naturschutz gefunden hat, (Ni­cholson ist Mitherausgeber von „British Birds") und der Leiter des Wildlife-Manage­ment-Institutes, Ira N. Gabrielson, USA, kurze aber erschöpfende Zusammen­fassungen. Für die Angewandte Vogelkunde ist ein Bericht von Peter Scott über „Einige Ausblicke über die Verwaltung und Einrichtung von Wasserwild-Reservaten in England" von Bedeutung. Hier werden die günstigen Erfahrungen des Severn Wildfowl-Trust ausgewertet. Im Anhang zu diesem Bericht wird beschrieben, wie durch zeitweilige Überflutung von Wiesengebieten zusätzliche Rastmöglichkeiten für durchziehendes und überwinterndes Wasserwild geschaffen werden kann.

Über das Thema Myxomatose konnten die französischen Wissenschaftler berichten, daß vom Gesichtspunkt des Naturschutzes, der Forst- und der Landwirtschaft die Auswirkungen dieser Seuche sich als überaus günstig für die Entwicklung der Ve­getation erwiesen haben. Unter den Verhandlungen zum Thema der Landschaftspflege verdient ein schwedischer Kurzbericht über den Hornborga See die Aufmerksam­keit der Vogelkundler. Dieser bekannte Vogelsee droht durch fortwährende Absen­kungsmaßnahmen langsam trockengelegt zu werden. Es ist beabsichtigt, den Wasser­stand wieder auf l 1 / 2 m aufzustauen und mit Hilfe einer Mähmaschine, die auf ein flaches Boot montiert ist, die von der Phragrmitis-Vegetation überwucherten See­flächen zu säubern. H. Makowski

L. Bastyai: Praktische Falknerei in Ungarn. Deutscher Falkenorden, S. 11—13 (1956). Der vergrößerte Reisanbau und die Intensivierung der Fischwirtschaft in Ungarn brachten es mit sich, daß man an die Bekämpfung der Feinde des Reises und der Fischteiche denken mußte. Es handelt sich dabei bei Reis um Tauben, Sperlinge, und während der Ernte um Wildenten, bei den Fischteichen um Fisch-, Purpur- und Nachtreiher. Da alle anderen Mittel versagten, wurde der Verfasser vom unga­rischen Agrikulturministerium beauftragt, auf den Großgütern die Falknerei ein­zuführen und Falknerbrigaden aufzustellen. Zur Zeit sind auf fünf Großgütern Falk­nerbrigaden tätig, die im Sommer mit Sperbern die Sperlinge, mit Habichten und Falken die Tauben, Wildenten und Reiher bekämpfen bzw. von den Feldern und Fischteichen vertreiben. „Der Erfolg ist großartig". „An einer Stelle, wo man zwei- bis dreimal die Beizvögel geflogen hat, demoralisieren sie die zu Schaden gehenden Vögel so, daß diese tagelang den Platz meiden, wo auf sie gebeizt wurde." Der Verfasser erhielt den Auftrag, eine Reisversuchsstation vor den Sperlingen zu retten. Er gibt an, daß er in seinem Leben noch nie solche Sperlingsmassen zusammen ge­sehen habe wie an dieser Versuchsstation. Da es zur Beschaffung von Sperbern zu spät war, verschaffte Verfasser sich vom Zoo Budapest Turmfalken, die er auf Sperlinge abtrug und die auch dann, wenn keine Sperlinge in der Gegend waren, in vier Abteilungen von morgens bis abends über dem Feld anwarteten. Ebenso ver­wendete Verfasser dabei Wander- und Sakerfalken. Dort, wo die Beizvögel nicht geflogen wurden, waren Riesenschwärme von Sperlingen, während auf dem Reis­versuchsfeld kein Sperling mehr erschien. Die Falknerei hat nach den Worten Bast- yais in Ungarn dadurch auch einen erheblichen wirtschaftlichen Wert erlangt.

A. W. Boback

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