KURZE MITTEILUNGEN
Seiden- (Egretta garzetta) und Nachtreiher (Nycticorax nycticorax) hei Bonn
Am 22. Mai 1958 unternahm ich eine Exkursion zur unteren Sieg, die gegenüber Bonn in den Rhein mündet. Zu meiner Überraschung zeigten sich am Ufer der Sieg neben 3 Graureihern 5 Seidenreiher, die im seichten Wasser eifrig nach Nahrung suchten. Sie waren wenig scheu und ließen mich bis auf etwa 30 m herankommen. Während sich die 5 Graureiher bald entfernten, verweilten die 5 Seidenreiher noch längere Zeit, so daß ich sie sehr gut beobachten konnte. Charakteristisch waren die gegenüber anderen Reihern kleine Gestalt, das schneeweiße Gefieder und der gänzlich schwarze Schnabel sowie die herabhängende Federhaube. Nach einigen Minuten gingen die Seidenreiher an Land und putzten sich in der Morgensonne, ab und zu krächzende Laute von sich gebend. Jetzt erkannte ich auch die schwarzen Beine und die rötlich-gelben Füße. Doch bald nahte ein Angler und das nette Schauspiel hatte ein Ende. Laut rufend erhoben sich die edlen Vögel, bäumten aber in der Nähe auf einer hohen Pappel wieder auf. Auch jetzt vernahm ich ihre „kaorr"-Rufe.
Noch am Vormittag verließen die Seidenreiher das Gebiet und zogen vermutlich rheinabwärts davon. Ein Exemplar hielt sich bis zum Nachmittag in der Nähe des Siegufers auf, kreiste dann mehrmals und verschwand bald in nordwestlicher Richtung.
Hiermit ist der Erstnachweis des Seidenreihers für das mittlere Rheingebiet erbracht. Als äußerst seltene Erscheinung wurde der Seidenreiher in neuerer Zeit in Westdeutschland erst zweimal nachgewiesen und zwar im Mai 1951 am Niederrhein von Eberhardt und Busch sowie im Mai 1955 an der Mosel von Jakobs.
Einen Tag später als oben, am 23. Mai 1958 beobachtete J. Martens ebenfalls im Gebiet der Siegmündung neben 5 Graureihern zwei Reiher von gedrungener Gestalt, die er bei günstiger Sicht mit Hilfe einer Optik von 10 x 56 einwandfrei als Nachtreiher bestimmen konnte. Der Nachtreiher kommt zwar häufiger vor als obige Art, erscheint bei uns aber ziemlich selten und sehr unregelmäßig.
Interessant ist, daß hier fast zur gleichen Zeit zwei seltene Reiherarten zur Beobachtung gelangten. Es wäre nachzuforschen, ob im letzten Maidrittel d. J. auch anderswo bei uns in Deutschland diese beiden Arten gesichtet wurden.
Hubert Hof er, Bad Godesberg, Kölner Str. 93
„Brausebaden" einer Rabenkrähe und das Flugbaden von Schwalben
Vor dreißig Jahren wurde hier eine Rabenkrähe, deren Flügel gestutzt waren, in einem Garten gehalten. Eines Morgens beobachtete ich, wie sie auf einem von hohem Kohl bestandenen Beete von einem Krautstengel zum anderen schritt, mit einem Sprung und Stoß mit dem Schnabel die Pflanzen so erschütterte, daß die Tautropfen auf sie herabfielen, was sie jedesmal mit den typischen Schüttelbewegungen badender Vögel quittierte. Vermutlich hatte sie einmal zufällig eine diesbezügliche Beobachtung gemacht und diese Erfahrung weiter ausgenutzt.
Entgegen dieser einmaligen Beobachtung ist mir der Vorgang des Flugbadens der Schwalben eine recht geläufige Erscheinung. Auf einem Dorfteich meiner Heimat war dies so alltäglich, daß niemand sonderlich Notiz davon nahm.
Dr. Carl Demandt, Lüdenscheid, Weststr. 48
Eichelhäher (Garrulus glandarius) beim Anflug an Nistkästen
Im nordöstlich von Bad Homburg gelegenen Hardtwald konnten Franz Malec und ich auf einer von 20 Nistkästen behangenen 2 ha großen Waldfläche je einmal einen Eichelhäher beim Anflug an einen Nistkasten beobachten.
Heftiges Gezeter mehrerer hier brütender Trauerschnäpper-, Kohlmeisen- und Blaumeisenpaare machte F. Malec am 2. 6. 58 auf Folgendes aufmerksam: Ein Eichelhäher hatte sich an der Vorderwand eines vom Trauerschnäpper bewohnten Holznistkastens festgekrallt und Kopf und Hals durch das vom Buntspecht stark erweiterte Einflugloch gesteckt. In unmittelbarer Nähe dieses Kastens gelang mir am 8. 6. 58 eine ähnliche Beobachtung: Ein Eichelhäher flog mehrmals hintereinander einen ebenfalls vom Trauerschnäpper bewohnten Holznistkasten an, setzte sich dann auf das Dach des Kastens und versuchte, von oben den Kopf durch das Einflugloch zu stecken, was jedoch mißlang.
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