Zur Ernährungsbiologie des Stars ( Sturnus vulgaris) Von Hubert Weinzierl, Ingolstadt Bruns und Haberkorn haben in Heft 5/1960, S. 81—103 dieser Zeitschrift ausführlich zu dieser Frage Stellung genommen. Hinsichtlich zweier Beutetiere des Stars, dem Maikäfer und dem Kartoffelkäfer sollen nachstehend noch einige Beobachtungen mitgeteilt werden:
1. Vertilgung von Maikäfern durch den Star:
a) Beobachtungen im Donauauewald :
In den Jahren 1958 und (in geringerem Umfang) 1959 herrschte in einigen Teilen des Ingolstädter Donau-Auewaldes eine starke Gradation des Maikäfers, der in vielen Teilen des Befallgebietes zu Kahlfraß führte. Stellenweise bogen sich die Äste jüngerer Eichen unter der Last der Maikäfer.
Erfreulicherweise lag inmitten des Befallgebietes das 40 ha große Vogelschutzgebiet Buschletten, in dem unter vielen anderen (siehe dazu Waldhygiene 2, S. 105—112, 1958) eine hohe Zahl von Starenbrutpaaren künstlich angesiedelt waren. Die Gesamtpopulation dieses Gebietes wurde durch eine stattliche Zahl von Brutpaaren in natürlichen Nisthöhlen (Auewald!) auf 3,5 — 4 Starenbrutpaare je Hektar erhöht.
Mit dem Schwärmen des Maikäfers setzte eine enorme Vertilgungstätigkeit desselben durch die Stare ein, die mit dem erhöhten Futterbedarf beim Schlüpfen der ersten Brut vom 15.—20. Mai stark zunahm. Leider fehlte damals die Möglichkeit einer exakten quantitativen Ermittlung der von Staren vertilgten Maikäfermenge. Hilfs- und probeweise wurden aber die allenthalben verstreut liegenden braunen Flügeldecken (Elytren) der von Staren zerhackten Käfer ausgezählt; diese Flügeldecken werden infolge ihrer Härte bekanntlich nicht gefressen und liegen gelassen oder zu Boden geworfen.
Die Auszählung der Probeflächen ergab dabei einen Durchschnitt von 52 Flügeldecken je qm (im Höchstfall bis zu 168 in Nähe von Eichenkronen), was 26 vertilgten Maikäfern entspricht. Es ist nun natürlich sehr problematisch, solche Ergebnisse auf die Fläche des 40 ha großen Vogelschutzgebietes Buschletten umzurechnen; theoretisch käme man auf 10—15 Doppelzentner vertilgte Maikäfer. Es war aber augenscheinlich, daß in diesem Auwaldgebiet keine kahlgefressene Eiche gefunden wurde, währenddessen man wenige Kilometer entfernt solche in großer Zahl antraf.
Es muß zugegeben werden, daß der Schluß auf einen Erfolg der natürlichen Schädlingsbekämpfung einer exakten wissenschaftlichen Fundierung entbehrt, doch liegt er nahe. Abschließend hierzu sei noch erwähnt, daß sich bei der geschilderten Maikäfervertilgung im Ingolstädter Donauauewald (Vogelschutzgebiet Buschletten) neben anderen insbesondere auch Feldsperlinge in größerem Umfang beteiligt haben.
b) Beobachtungen in anderen Biotopen:
Ähnliche Beobachtungen über die Vertilgung von Maikäfern durch Stare, wie dies oben dargelegt ist (weshalb auf nähere Details hier verzichtet wird), konnten im Jahre 1959 gemacht werden in kleineren Waldparzellen des Buxheimer Schuttermoores in Mittelfranken (sehr starke „Saugbaumwirkung" für Maikäfer durch Waldfeldlagen) und in geschlossenen Waldgebieten des Feilenforstes bei Münchsmünster im Tertiären Hügelland.
Mit die größten Anhäufungen von Maikäferresten konnten am 10. 5. 59 im Jura nordöstlich von Regensburg am sog. „Keilberg" festgestellt werden. In kleinflächigen Eichenreinbeständen und Eichenkrüppelwüchsen waren Scharen von Staren mit der Vertilgung des Schädlings befaßt. Die Stare mußten von entfernt liegenden Brutplätzen zugeflogen sein, da am betreffenden Ort fast keine Brutgelegenheit bestand.
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