2. Vertilgung von Kartoffelkäfern durch Stare:
Auch hier kann auf Grund von Flügeldeckenfunden des Kartoffelkäfers in Nestern des Stares auf die Vertilgung dieses Schädlings geschlossen werden.
Anläßlich der jährlichen Nistkastenkontrollen gelangen Hunderte von Starennestern aus den verschiedensten Brutbiotopen zur Untersuchung, die stets auch auf etwa vorhandene Nahrungsreste durchforscht werden.
Dabei fiel in den Jahren 1958 und 1959 eine Häufung von Elytren-Funden des Kartoffelkäfers auf, so u. a. in einem niederbayerischen Forstbezirk bei Straubing (Steinach), wo zum Schutze von Pappelkulturen, gegen Weiden- und Pappelblattkäferfraß, die künstliche Ansiedlung des Stars forciert wurde. Daß hier ein vermehrtes Kartoffelkäfervertilgen des Stars beobachtet werden konnte, war infolge der Waldfeldlage begreiflich.
Um so auffallender waren die umfangreichen Funde von Kartoffelkäferflügeldecken in Nestern von in geschlossenen Waldgebieten brütenden Staren, so in dem Forstamt Wiesenfelden im Bayrischen Wald (700 m) und im Forstamt Münchsmünster im Tertiären Hügelland. In beiden Fällen fliegen also die Stare zu den Hunderte von Metern, ja sogar 1—2 km weit entfernten Feldern auf Nahrungssuche.
Auf eine quantitative Ermittlung der Kartoffelkäfervertilgung durch den Star kann aus den obigen Beobachtungen natürlich nicht geschlossen werden.
3. Schlußfolgerung:
Obwohl das Starenproblem nicht von einem Wirtschaftszweig her einseitig gesehen werden darf, so ist dennoch deren Nutzen für die Landwirtschaft und Forstwirtschaft aus obigen und anderen Gründen kaum zu übersehen; in reinen Agrar- und Waldgebieten dürfte der Star als gerne gesehener Nützling geduldet werden.
Anschrift des Verfassers: Dipl.-Forstwirt Weinzierl, Ingolstadt/Donau, Parkst!'. 6
K URZE MITTEILUNGEN
Können Starenbruten bei der Nisthöhlenkontrolle immer erkannt werden?
Jahrelange Kontrollen mehrerer Hundert Starenbruten im Vogelschutzgebiet Buschletten, einem Donau-Auewald bei Ingolstadt, ergaben, daß die Stare vor der zweiten Brut im Juni die Nester der Erstbrut in den meisten Fällen restlos aus den Kästen geworfen haben.
Dies traf insbesondere dann zu, wenn ein fremdes Brutpaar sich für den eben leergewordenen Kasten interessierte.
Nun kam aber in vielen Fällen keine Zweitbrut zustande, so daß die betreffenden Nistkästen leer blieben oder nur Nestanfänge zeigten.
Diese kurz geschilderte Erscheinung gibt zu folgenden Überlegungen Anlaß:
1. In dem erwähnten Vogelschutzgebiet Buschletten hätte ein großer Teil der Starenkästen bei der üblichen Herbstkontrolle die Bezeichnung „leer" oder „Nestanfang" erhalten, zumal in diesem Zeitpunkt auch keine weißen Kotspuren an der Kastenvorderwand mehr zu sehen waren.
2. Bei Nistkästen mit Starennestern (aus denen auch einwandfrei die Jungen ausgeflogen waren) könnte nicht festgestellt werden, ob eine oder zwei Starenbruten stattfanden.
Wenn diese in einem Auewald bei Ingolstadt beobachtete Erscheinung auch anderswo zutrifft, ist die Richtigkeit der jährlichen Nistkastenkontrollen in Frage gestellt.
Verfasser wäre deshalb für Mitteilungen dankbar, ob auch aus anderen Biotopen solche Beobachtungen vorliegen.
Dipl.-Forstwirt Hubert Weinzierl, Ingolstadt, Parkstr. 6
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