Seggenrohrsänger ( Acrophalus paludicola ) in Westfalen
Von A . Bock , H . Mester und W . Prünte , Fröndenberg/Ruhr
„ Die Rohrkämpe wurden bewohnt von Rohrsängern , darunter phragmites und aquatica " ' ,
diese Feststellung traf Bolsmann ( 1 ) in einem Bericht über das damalige Vogelleben der
Cronerhaide ( bei Greven ) . Offenbar wollte Bolsmann in seiner allgemein verfaßten
Abhandlung mit diesem Satz ein Brutvorkommen des Seggenrohrsängers an der ge
nannten örtlichkeit herausstellen . Peitzmeier ( 11 ) „ hält ein vereinzeltes Brutvorkom¬
men des Seggenrohrsängers 1945 bei Langenberg ( Oberems - Gebiet ) — trotz fehlendem
Caricetum — für möglich . Er stützt sich dabei auf einen persönlichen Bericht von Faber ,
der damals ein Nest mit Jungen in einem Bohnenfeld gefunden haben will ( vergleiche
auch Kuhlmann 6 ) . Das sind die einzigen , letztlich unbestätigten Hinweise auf ein
Brutvorkommen des Seggenrohrsängers für Westfalen .
Zur Flugzeit scheint unter Berücksichtigung von Literaturhinweisen und 21 eigenen
Beobachtungen der Seggenrohrsänger das genannte Gebiet regelmäßig zu besuchen , wenn
sich bei deren zusammenfassender Betrachtung auch grundlegende Unterschiede hin¬
sichtlich seiner Häufigkeit für den Frühjahrszug auf der einen und für den Herbstzug
auf der anderen Seite ergeben . Werner ( 13 ) schrieb von der Art , sie sei „ ein seltener
Durchzugsvogel der Ebene . Einige Male wurde er bei Gimbte erlegt . " In einem Nach¬
trag weiß Werner ( 14 ) zu berichten : „ Dieser Vogel ist nur ein Durchzügler . Bolsmann
beobachtete ihn mehrfach ; die Belegstücke seiner Sammlung trugen folgende Daten :
9 . 8 . 1852 ; 9 . 8 . 1864 ; 8 . 8 . 1963 ( Jugendkleid ) ; 9 . 8 . 1866 ( altes Weibchen ) ; 9 . 8 . 1866
( Jugendkleid ) . " Landois ( 8 ) betont das seltene Vorkommen der Art , doch verweist schon
er auf ihr anscheinend regelmäßiges Auftreten während der Zugzeiten im Flußgebiet
der Ems . Er erwähnte die Bolsmannschen Funde und daß am selben Orte der Seggen¬
rohrsänger „ noch einige Male , und zwar am 9 . oder 10 . August " beobachtet wurde .
Regelmäßigen Durchzug vermutete auch Strunz ( 12 ) , der am 12 . September 1942 ein
Ex . und am 12 . August 1943 zwei Vögel bei Rietberg beobachtete . Der Kommentar
dieses Beobachters : „ Bisher wohl übersehen worden . . . " fand in späteren Jahren seine
Bestätigung . Jahnke ( 5 ) traf einen Vogel der Art am 26 . 7 . 1959 am Werre - Ufer bei
Nienhagen an . Während zweier Exkursionen der Volkshochschule Bielefeld wurden
am 25 . 4 . bzw . 26 . 9 . 1954 je zwei Exemplare an den Rietberger Fischteichen beob¬
achtet ( 2 ) . Im selben Gebiet registrierte Dr . Lachner die Art am 6 . und 13 . September
1959 in je einem Stück ( 7 ) . Über die ersten Feststellungen des Seggenrohrsängers im
mittleren Ruhrtal bei Fröndenberg berichtete Mester ( 9 ) . Inzwischen konnten in diesem
Beobachtungsgebiet bzw . in den Rieselfeldern bei Münster 17 weitere Nachweise des
Seggenrohrsängers aus der Herbstzug - Periode von uns erbracht werden . Wegen der
Seltenheit dieser Rohrsängerart seien die Beobachtungsdaten im folgenden einzeln auf¬
geführt : 21 . 9 . 1951 , 13 . 9 . 1952 , 5 . 9 . 1954 , 5 . 8 . 1956 ( diese vier Beobachtungen er¬
wähnt bereits Mester ) , 4 . 10 . 1956 , 14 . 8 . 1957 , 23 . 8 . 1957 ( 2 Ex . ) , 10 . 8 . 1958 , 11 . 8 .
1959 , 15 . 8 . 1959 , 19 . 9 . 1959 , 30 . 9 . 1959 , 9 . 8 . 1959 , 9 . 8 . 1960 , 24 . 8 . 1960 ,
10 . 9 . 1960 , 19 . 9 . 1962 ( 2 Ex . ) , 18 . 8 . 1963 , 10 . 8 . 1964 , 7 . 9 . 1964 , 11 . /12 . 9 , 1964
( die drei letzten Beobachtungsdaten stammen aus den Rieselfeldern Münster ; die vor¬
hergehenden sämtlich aus der Ruhraue bei Fröndenberg und Geisecke ) .
Ein Totfund und drei Fänglinge konnten vermessen werden : 1 ) Flügel 64 , Schwanz 51 ,
Schnabel 12 ; 2 ) Flügel 64 , Schwanz 51 , Schnabel 9,5 ; 3 ) Flügel 65 , Schwanz 51 , Schna¬
bel 5,5 ; 4 ) Flügel 62 , Schwanz 46 , Schnabel 10 .
Damit liegen für den westfälischen Raum bislang insgesamt etwa 33 Beobachtungen
außerhalb der Brutzeit vor . Sie verteilen sich folgendermaßen auf die einzelnen Monate :
April 1 ; Juli 1 ; August 16 , September 14 , Oktober 1 . Bemerkenswert ist das fast voll¬
ständige Fehlen von Beobachtungsdaten aus dem Frühling ( Ausnahme : 25 . April 1954
Rietberger Fischteiche ; s . o . ! ) . Auch Hölscher , Müller und Petersen ( 4 ) betonen , daß die
Art im Dümmergebiet während der Herbstzug - Periode wohl regelmäßig auftrete , er -
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